Wir trauern um einen weiteren Heimjungen

Heute haben wir wieder diese eine schreckliche Nachricht erhalten, die uns zutiefst erschüttert: Wieder wurde ein ehemaliger Heimjunge ermordet. S. wurde brutal mit einem Messer hingerichtet. Was genau dahinter steckt, wissen wir nicht. S. war vor zwei Jahren in ein anderes Heim übergetreten. Wir sind zutiefst traurig. Ein junges Leben endete viel zu früh.

Eines wird wieder deutlich: Unsere Bemühungen, den Kindern im Kinderheim Diamante ein ständiges Zuhause zu geben und sie nach Erreichen der Selbständigkeit weiterhin im Familienprogramm zu betreuen, ist wichtig. Die Strassenkinder von Honduras brauchen eine helfende Hand, die sie während ihrer Rehabilitation begleitet. Der Weg ist schwierig und steinig. Viele schaffen es mit Gottes Hilfe und der wohlwollender Menschen, ihr Leben zu ändern und Drogen, Gewalt und das Strassenleben hinter sich zu lassen. Einzelne werden aber von ihrer Vergangenheit eingeholt, schaffen es nicht, sich vom schädlichen Umfeld zu trennen oder werden rückfällig.
Wir freuen uns über jedes der vielen Kinder, die es mit viel Anstrengung schaffen! Und wir sind traurig, über jedes Kind, das wie  S. enden muss.

Diejenige Frau einer befreundeten Organisation, die mir die Todesnachricht überbrachte, hatte einen engen Kontakt zum getöteten S. und sagte mir mit Tränen in den Augen: „Wir müssen mehr tun! Wir dürfen nicht zulassen, dass soviele Strassenkinder sterben.“

Sie hat recht. Man müsste mehr tun können. Doch einerseits sind die finanziellen Mittel aller Organisationen wie Casa Girasol, die sich für Strassenkinder einsetzen, beschränkt und andererseits ist die Zahl der Kinder in „sozialem Risiko“in Honduras derart hoch, dass wir immer nur einem Teil werden helfen können. Letztlich muss in der Gesellschaft das Verantwortungsbewusstsein und die Bildung wachsen, damit Kinder in Honduras in einer werteorientierten Gesellschaft behütet aufwachsen können. Wir leisten dazu einen Beitrag dadurch, dass im Familienprogramm des Kinderheims Diamante mit den Familien der Heimkinder gearbeitet wird.

Ich wünsche der Familie und den Freunden von S. Gottes Trost in dieser schwierigen Zeit.
Möge dein Tod nicht umsonst gewesen sein, sondern der Anfang einer Veränderung.

Alexander Blum, Gesamtleiter