Sexueller Missbrauch in Kinderheimen – Ursachen, Folgen und Konsequenzen

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Es scheint kein Ende zu nehmen: Jeden Tag kommen neue Fälle von Kindsmissbrauch ans Licht. Die Täter findet man überall: Heilige in schwarzen Kitteln, exzentrische Popstars, engagierte Fussballtrainer und der unscheinbare Onkel von Nebenan. Gerade auch Kinderheime geraten immer wieder ins Visier von Ermittlungen. Doch so viel heute auch ans Licht kommen mag, sobald es dunkel wird, beginnen sich die Geschichten zu wiederholen. Genau deshalb möchte ich meine Erfahrungen zum Thema „Sexueller Missbrauch in Kinderheimen“ schildern und zu einem Wandel in der Gesellschaft aufrufen!

Sexueller Missbrauch in Kinderheimen

Wenn es dunkel wird

Das Team von Casa Girasol betreut Kinder und Jugendliche in verschiedenen Kinderheimen in Honduras. Wir wissen daher, aus Sicht der Kinder, was in Kinderheimen geschieht, wenn es draussen still wird. Nicht in allen Kinderheimen kommt es zum sexuellen Missbrauch von Kindern, aber wir kennen viele Kinder, die einen solchen erlebt haben und man muss wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Problematik weitaus grösser ist, als man glauben möchte.

Missbrauch durch Betreuungspersonen

An erster Stelle denkt man natürlich an den sexuellen Missbrauch eines Minderjährigen durch eine erwachsene Betreuungsperson. Im Schutz der Dunkelheit und als Folge der emotionalen Abhängigkeit kommt es häufig vor, dass Erwachsene sich an Kindern vergehen.

Warum kommt es zum sexuellem Missbrauch in Kinderheimen?

Die Ursachen kennen wir aus der Geschichte: Wenn man Menschen über andere Menschen unkontrollierte Macht gibt, dann läuft diese aus dem Ruder und es kommt zu Ausnützung, Folter oder eben sexuellem Missbrauch. Das liegt leider einfach in der Natur des Menschen.

Die Tatsache, dass viele Institutionen ihren Mitarbeitern blind vertrauen, hat zur Folge, dass sexueller Missbrauch problemlos möglich wird. Und kommt ein solcher Fall ans Licht, dann versuchen viele Organisationen dies zu verschleiern, denn eine allfällige Klage würde auch der Organisation schaden. Die Angst der Organisation dient dem Täter wiederum als Freibrief, ungeahndet seinen Taten ausüben zu können.

Welchen Folgen hat der Missbrauch für die Kinder?

Verständlicherweise leiden die Kinder und Jugendlichen unter den Folgen des sexuellen Missbrauchs. Dieser ist meist keine einmalige Angelegenheit ist, sondern eine über einen langen Zeitraum herrschende Tortur. Nebst den möglichen körperlichen Folgen (wie Schwangerschaft, Schmerzen oder Erkrankungen) sind besonders auch die emotionalen Folgen eine lebenslange Herausforderung. Das Gefühl von Erniedrigung, die Zerstörung der eigenen sexuellen Identität, der Vertrauensbruch, die lähmende Angst, Depressionen und Albträume machen das Leben regelrecht zur Hölle.

Missbrauch durch andere Kinder

Woran man als Aussenstehender oft nicht denkt, ist die zweite Form von sexuellem Missbrauch, die in vielen Kinderheimen vorkommt: Der Missbrauch eines Kindes durch ein anderes. Besonders schwierig macht es hier die Tatsache, dass Minderjährige nicht des Missbrauchs bezichtigt werden können (in Honduras) und somit ihre Tat ohne Folgen für den Täter bleibt.

Warum missbraucht ein Kind ein anderes?

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Kind ein anderes sexuell missbraucht und sie ähneln sich denen, warum ein Erwachsener es tut: Machtausübung, Selbstbestätigung oder als Konsequenz eines Missbrauchs, den der Täter selbst erlebt hat. Dadurch nimmt ein nie enden wollender Teufelskreis seinen Lauf.

Ein Wandel in der Gesellschaft ist notwendig

Ein Wandel in der Gesellschaft ist notwendig

Um den sexuellen Missbrauch in Kinderheimen zu verhindern, braucht es ein Umdenken in der Gesellschaft und beim Gesetzgeber. Wenn, wie in Honduras, nur das Opfer selbst Anzeige erheben kann, dann macht das alle anderen zu handlungsunfähigen Mitwissern (wir können bei Kenntnis die Partnerorganisation informieren – mehr nicht).

Auch die Tatsache, dass in Honduras nur vaginaler Geschlechtsverkehr wirklich strafbar ist. Alles andere in der Praxis unbestraft bleibt, nimmt die Täter in Schutz. Sexueller Missbrauch in Kinderheimen muss konsequent untersucht und die Verantwortlichen müssen bestraft werden. Doch in einer Gesellschaft, deren Gesetze auf die Bedürfnisse der Reichen zugeschnitten sind, besteht kein Interesse, die Rechte der Schwächsten zu schützen.

Was Casa Girasol tut

Als Organisation, die mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, stellt sich natürlich die Frage, was wir konkret tun können, um sexuellen Missbrauch in den Kinderheimen zu verhindern.

Kinder stärken

  • Wenn wir die Kinder und Jugendlichen regelmässig besuchen, kann unser Team Vertrauen aufbauen und die Hemmschwelle für die Kinder sinkt, uns solche Vorkommnisse zu erzählen.
  • Durch unsere Workshops und gruppendynamische Übungen können wir das Selbstvertrauen der Kinder aufbauen, was der Prävention dienlich ist.
  • Anhand der Arbeit mit biblischen Geschichten vermitteln wir christliche Werte und können auch Themen, wie der verantwortungsvolle Umgang mit der eigenen Sexualität, diskutieren.
  • Teambildende Übungen sorgen für eine gesunde Gruppenstruktur, auch das hilft zur Vorbeugung.

Anforderungen an unsere Mitarbeiter

  • Unsere Mitarbeiter und unsere Volontäre werden klar über die internen Richtlinien informiert. Bei Casa Girasol gilt 0 Toleranz.
  • Wir haben für freiwillige Helfer ein Merkblatt für den Umgang mit Kindern, dem sie vor ihrem Kurzeinsatz einwilligen müssen.
  • Auch wenn wir unseren Mitarbeitern vertrauen, dürfen sie niemals alleine mit einem Kind in einem geschlossenen Raum sein.

Komplett überarbeiter Beitrag. Orginal vom 30.05.2017. Überarbeitung im März 2019.

Alexander Blum
Gesamtleiter