Rückblick Campwoche von Rahel und Dominik Waehry

Rahel und Dominik Waehry waren in den Jahren 2010 / 2011 für das Kinderhilfswerk Casa Girasol in Honduras und arbeiteten im Kinderheim Rafael und in den Campwochen mit Strassenkindern im Casa Girasol mit. Dass die Missionsarbeit mit den Kindern auch ihr weiteres Leben geprägt hat, davon berichtet Rahel 2018 auch in einem Beitrag von Fenster zum Sonntag.

Hier veröffentlichen wir für dich den Rückblick auf eine Campwoche vom Dezember 2010.

Die Campwoche mit Strassenkinder

Nach der Vorbereitungswoche, in der wir neben den Lagervorbereitungen gemeinsam mit den Gästen (die Volonteers, die einen missionarischen Kurzeinsatz leisteten) das honduranische Land und Leben erkundeten, holten wir am Montag 10 Jungs und 10 Mädchen bei unserer Partnerorganisation Casa Alianza ab.

Strassenkinder und ihre Lebensgeschichten

Sie waren Strassenkinder, die erst seit wenigen Wochen, teils sogar nur seit einigen Tagen, weg von der Strasse waren. Es war eindrücklich, in die zu Beginn eher schüchternen, bedrückten Gesichter zu schauen. Doch nachdem die Kinder ihre vorbereiteten Betten bezogen, das Areal kennen gelernt und mit uns allen Kontakt geknüpft hatten, war das Eis schnell gebrochen. Die Kinder erzählten ihre zwar erst kurzen (11-16-jährigen) aber dafür umso intensiveren Lebensgeschichten. Es ist unglaublich, was junge Menschen in wenigen Jahren ihres Lebens alles erleben können.

Zum Beispiel erzählte ein Junge von seiner Flucht in die USA. Er überlebte ein paar Jahre in Houston mit der älteren Schwester, danach wurde er aufgegriffen und per Flugzeug zurück nach Honduras geschickt. Schliesslich überliess man ihn bei Ankunft am Flughafen sich selbst. Nach zwei Wochen auf der Strasse fand er beim Casa Alianza Zuflucht. „Du bist jetzt mein Vater, meinen eigenen kenne ich nicht und habe ich auch nie gesehen“, sagte derselbe Junge Ende Woche zu Dominik.

Einem anderen Jungen war sehr gut anzusehen, dass er länger auf der Strasse gelebt hatte. Seine Motorik war sehr langsam und schien ein bisschen beeinträchtigt vom Drogenkonsum (Lösungsmittel). Während der gesamten Woche war er damit beschäftigt, uns „Gringos“ (so werden hier die Ausländer liebevoll genannt) zu umarmen und zu drücken. Gleichzeitig blühte er immer mehr auf, wurde aktiver, fröhlicher und fand zu einem immer entspannter werdenden Lachen.

Ein trauriger Abschied

Nach einer körperlich und vor allem emotional intensiven Woche folgte am Samstag dann das Unvermeidbare: Ein trauriger, von Tränen übergossener Abschied. Wir haben die Kinder alle ins Herz geschlossen und wie sich heraus stellte, ging es ihnen genau so. Es war eine ausgesprochen schöne, aber auch intensive Zeit. Wir hoffen und beten, dass es für die Kinder mehr war als eine Woche mit spannendem Programm und gutem Essen. Sie sollen Hoffnung und Zuversicht auf ein anderes, drogenfreies und von Liebe geprägtes Leben erhalten.

Danke an die lieben Viva!-Camper, die diese Woche möglich gemacht haben. Danke auch an alle, die uns unterstützen und helfen, damit wir auch in Zukunft für solche Strassenkinder einstehen können.

Herzliche Grüsse
Rahel & Dominik Waehry