Notunterkunft für ein ganzes Mädchenheim

Es kam völlig unerwartet: Die Direktorin des Kinderheims Las Flores rief uns an, mit der Bitte, ihren 13 Mädchen und den Erzieherinnen Unterschlupf zu gewähren, da sie ab sofort aus Sicherheitsgründen nicht mehr im Heim leben können. Wir haben zugesagt und beherbergen nun die Kinder im Casa Girasol.

Seit drei Monaten arbeiten wir mit den Mädchen des Kinderheims Las Flores im Rahmen unserer Kinderprogramme und besuchen das Heim einmal wöchentlich, mit dem Ziel nächstes Jahr eine Keramik-Werkstatt aufzubauen. Um uns gegenseitig besser kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen, haben wir sie zudem im Oktober für vier Tage ins Casa Girasol eingeladen und ein Camp zum Thema „Esther“ organisiert. Die Mädchen im Alter von sechs bis 17 Jahren sind zum Schutz im Kinderheim Las Flores, denn sie alle wurden sexuell missbraucht und mussten untertauchen. Aus diesem Grund können wir auch keine Bilder veröffentlichen, worauf Gesichter erkennbar sind.

Während die Arbeit gut zu laufen schien, kam plötzlich der Schock und Aufgrund der Bedrohung durch die Banden musste das bisherige Zuhause der Kinder aufgegeben werden.

In einigen Gegenden von Honduras sind die Wohnviertel fest in der Hand von Jugendbanden. Dies sogenannten „Maras“ sind extrem gewalttätig, morden und verlangen Schutzgelder. Viele Menschen kämpfen ums Überleben und können den Schutzgeldforderungen kaum nachkommen. Und wer nicht zahlt, wird umgebracht. So kalt und gefühlslos läuft das ab! Auch dort, wo das Kinderheim Las Flores liegt, wird der Alltag ganz von den Banden bestimmt und zuletzt wurde die Situation so unerträglich, dass das Leben der Mädchen und der Mitarbeiter akut gefährdet war. Deshalb mussten alle das Heim umgehend verlassen. Einzelheiten dürfen wir leider keine veröffentlichen, da zurzeit Ermittlungen laufen.

Die Kinder und Jugendlichen sind nun aber bei uns vorrübergehen in Sicherheit und wir hoffen, dass sich bald eine neue, definitive Lösung finden lässt und die Gruppe in ein neues Zuhause umziehen kann. Vorerst bis Ende Jahr bleibt die Gruppe im Casa Girasol, dann werden wir die Situation neu prüfen.

Für uns bedeutet eine zusätzliche Herausforderung, denn wir möchten nicht nur ein Zuhause auf Zeit bieten, sondern die Chance nutzen, mit den Kindern und Jugendlichen aktiv zu arbeiten.

Gerade in diesen Wochen im Casas Girasol ist es besonders wichtig, die Kinder intensiv zu betreuen, da sie vorrübergehend nicht in die Schule gehen können. Das Betreuungsteam von Las Flores besteht nur aus zwei Personen und diese sind mit der aktuellen Situation verständlicherweise überfordert.

Gerne würden wir daher zusätzliches Personal einstellen, da Las Flores nicht über die nötigen Mittel verfügt. den Mehraufwand zu bewerkstelligen. Andere Kosten, die auch im ursprünglichen Kinderheim angefallen sind, werden von unserer Partnerorganisation übernommen.