Migranten-Karawane – Die Hoffnung auf ein besseres Leben

Es hat ein paar Tage gedauert, bis die europäischen Medien sich dem aktuellen Problem annahmen und darüber berichteten. Vergangene Woche sind tausende Honduraner als Karawane in Richtung Norden gezogen, habe Guatemala durchquert in befinden sich zur Zeit in Mexiko. Ihre Motivation: Die Hoffnung auf ein besseres Leben. Ihr Ziel: Anständig entlöhnte Arbeit in den USA.

Schriftzug Hoffnung auf ein besseres Leben, Bild eines Vogelschwarms

Die Migrantenkarawane

Die „Caravana“, wie sie genannt wird, ist die erste ihrer Art. Normalerweise benötigt man für den mühsamen, illegalen Weg in die USA Schlepper. Schnell kann es 5000 Dollar kosten. Eine für Mittelamerikaner horrende Summe. Entführungen, Drogenkriege, Zwangs-Schmuggel, Menschenhandel, der Todeszug „La Bestia“ – alles Gefahren, die die Auswanderer unterwegs erwarten. Viele finden jeden Tag den Tod auf der Reise in eine vermeintlich bessere Zukunft für sich und ihre Familien. Doch die Hoffnung auf ein besseres Leben treibt sie an.

Erstmals als Karawane organisiert

Erstmals wird die Auswanderung als Gruppe organisiert. Angesichts tausender Frauen, Männer und Kinder sind die Durchgangsländer machtlos und lassen sie ziehen. Trumps Androhungen hin oder her, die USA-Hilfe für die beteiligten Länder sofort einzustellen, die Caravana zieht jeden Tag weiter nach Norden.

Politische Akteure im Hintergrund

Hinter der Massen-Flucht werden politische motivierte Akteure vermutet und interessanterweise schaffen es alle Parteien im Land, die Bewegung für sich positiv auszulegen und gewohnt politisch mitzuspielen. Ein Spiel auf Kosten Tausender, die ihr Leben riskieren.

Auf den Punkt gebracht

Bringen wirs auf den Punkt: Mittelamerika profitiert von den Auswanderern. Milliarden werden jährlich von Verwandten in den USA alleine nach Honduras überwiesen, die sogenannten „Remesas“. Der wohl grösste Wirtschaftszweig überhaupt. Schätzungsweise ein Viertel aller Honduraner lebt im Ausland – die meisten davon illegal in den USA und Kanada.

Die Akteure der mittelamerikanischen Regierungen haben also aus gutem Grund kein Interesse daran, die Auswanderung zu stoppen. Es bringt schliesslich Geld, viel Geld. Wenn der Präsident verkündet – wie heute geschehen – dass ein Militärflugzeug mit der lächerlichen Anzahl von 20 Personen von Mexiko nach Honduras geflogen ist, um Freiwillige zurück zu bringen, dann ist das die reine Show. Und wenn Mexikos Regierung verlauten lässt, dass die Migranten willkommen wären und man ihnen Arbeit beschaffen würde, dann ist auch das nur eine Aktion, um den mächtigen Bruder im Norden zu beruhigen (und gleichzeitig eine Faust aufs Auge für all die Millionen Mexikaner, die keine Arbeit haben).

Ideal für Trumps Mauerpläne

Die Massen-Auswanderung bringt ein Thema auf die politische Agenda, das man so nicht haben wollte. Oder vielleicht doch? Trumps Einwanderungspolitik dürfte angesichts des Ansturms Zustimmung bekommen. Ein Zufall, nach dem seine versprochene Mauer noch nicht gebaut wurde und der Wahlkampf für die zweite Amtszeit bald beginnt? Die Berichterstattung über die Karawane in den Medien – das kommt angesichts der Mauerpläne gerade recht.

Die Hoffnung auf ein besseres Leben ist begründet

Fakt ist, dass viele Menschen in den USA ein besseres Leben erwartet. Logisch, dass das die US-Amerikaner so nicht wollen. Aber es regt zum Nachdenken an, dass die, die in den USA leben, Nachkommen derer sind, die vor nicht allzu langer Zeit Europa verliessen, um auf dem anderen Kontinent ein neues, besseres Leben anzufangen.

Ich kann es nachvollziehen, dass man das Leben in Honduras hinter sich lassen möchte, wenn Armut und Gewalt und fehlende Zukunftsaussichten das Leben bitter machen.

Der Entwicklung entgegenwirken

Doch eins ist klar: Um die Aus- bzw. Einwanderung zu stoppen, müsste man die Lebensbendingungen vor Ort für die Menschen verbessern. Und irgendwie scheint niemand daran ein Interesse zu haben. Viele verdienen Millionen auf dem Rücken der Armen, und sie sind es, die in Politik die Fäden in der Hand halten. Willst du fügsame Sklaven? Dann schenke Menschen ein Gefühl von vermeintlicher Freiheit und unterdrücke ihre Bildungsmöglichkeiten. So hast du Millionen Arme die für deinen Reichtum schufften können. Früher wurden den Sklaven wenigstens das Essen gereicht, heute müssen sie sich selbst um ihr Brot kümmern.

Hoffen wir, dass diese Caravana Wellen zieht, dass Menschen an die Macht kommen, die ihr Volk voranbringen möchten, Bildung und Arbeit ermöglichen und sich um die Schwächsten kümmern.

Ein Kommentar von Alexander Blum, Gesamtleiter

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