Gegen die Angst vor Migranten – Mehr Stolz, bitte!

Christliche Musik im Supermarkt, Bibelverse auf dem Bus, Landesfahnen überall. Während wir in Europa, der Heimat der freien Meinung, jegliche christliche Wurzeln ausreissen und jede Regung von Nationalstolz in unserem Herzen unterdrücken, sind die Menschen in Lateinamerika stolz auf das, was sie sind und was sie glauben. Mehr Stolz und Ehrgefühl würde uns Schweizern guttun! Mehr Stolz könnte uns sogar die Angst vor den Migranten nehmen. Warum? Lass es mich dir erklären:

Bibelverse auf einem Bus in Honduras

Gründe, als Schweizer stolz zu sein

In Gesprächen mit den Menschen hier in Lateinamerika wird mir oft gesagt, dass ich allen Grund hätte, Stolz auf die Schweiz zu sein.

Die Gründe, die sie nennen, sind zahlreich: Keine Armut (was man verglichen mit der Armut hier durchaus so sagen kann), keine Korruption (zumindest nicht so dreist und offensichtlich wie in Lateinamerika), eine starke und sichere Wirtschaftslage, herrliche Landschaften, ein gutes Bildungssystem, kaum Arbeitslosigkeit, eine hervorragende Gesundheitsversorgung, ein funktionierendes Rechtssystem, Altersvorsorge, das Rote Kreuz und natürlich Uhren, Schokolade und Roger Federer (immerhin einen bekannten Schweizer gibt’s!).

Irgendwie haben die Honduraner recht und dennoch fühlen sich solche Aussagen seltsam an. Ich fühle mich verunsichert. Ist es richtig, dass ich Stolz darauf bin, Schweizer zu sein? Statt Freude zu zeigen, verhalte ich mich lieber politisch korrekt, bedanke mich und gehe nicht weiter auf das Thema ein. Neutral schweizerisch eben.

Hymne, Helden, Vaterland & Gott

Honduraner sind da ganz anders. Nicht nur, dass sie regelmässig ihre Hymne singen und ihre Helden feiern, die für das Vaterland ihr Leben gelassen haben. Sie ehren ihre Nation und sogar ihren Gott aus vollem Herzen! Honduraner schaffen es, sich selbst zu erhöhen, ohne dabei andere zu erniedrigen. Selbstbewusstsein statt Arroganz.

Spannend ist für mich die Erfahrung, dass sich in Honduras selbst Migranten, wie ich einer bin, schnell eingliedern. Man hat gar keine Wahl und Integration läuft ganz automatisch. Es mag in Honduras ein Klassendenken geben, aber Rassismus sucht man vergeblich. Schwarz / weiss, dick / dünn, alt / jung, all diese Adjektive darf man noch brauchen und niemand fühlt sich beleidigt und keines der Worte ist je wertend gemeint. Auch den Menschen, die ihren Glauben leben, wird respektvoll begegnet, und zwar ungeachtet davon, welcher Religion sie angehören. In der Schweiz sieht das ganz anders aus und ich bin beunruhigt.

Die Angst vor den Migranten ist begründet

Begründete Angst vor Migranten

Ja, ich habe Angst um die Schweiz, um Europa. Die Migranten überrennen die europäischen Länder, breiten sich auch und womöglich wird das Christentum weiter in die Enge getreiben. Adieu christliches Abendland – oder was überhaupt davon noch übrig ist.

Denn von dem, was einst stolze christliche Länder waren, ist nicht mehr viel zu erkennen. Während Europa alles daran setzt, die Christen, ihre Meinungen und ihren Gott in die Kirchen einzuschliessen und die eigene Geschichte, Werte und Religion aus dem Alltag verbannen, kommen Menschen, die ihre Traditionen und ihren Glauben vertreten und leben. Letztlich gewinnt der Stärkere und so breitet sich das Fremde ungehindert aus und dies empfinden wir als feindliche Bedrohung.

Das Problem ist aber nicht das starke Auftreten der Migranten. Das Problem ist die schwache, schüchterne Haltung von uns Schweizern.

Wo wir unsere Fahne nicht hochheben, da kommt ein anderer und tut es! Während wir in den Schulen Edelweisshemden und Schweizerkreuze verbieten und wo Religionsunterricht zu Ethik wird, da wird wohl nicht mehr lange etwas von der Eidgenossenschaft und dem christlichen Fundament übrig bleiben.

Schweizern fehlt es an Identität

Es fehlt uns an Identität

Liebe Schweizer (und das mag auch für Deutsche, Österreicher oder Franzosen gelten), solange ihr die Kreuze von den Wänden entfernt, Kirchenglocken zum Schweigen bringt und den Nationalfeiertag nur als Ferientag ansieht, wird sich der und das Fremde ausbreiten.

Was reden wir von Integration? Integration in was? In eine wertelose, orientierungslose Gesellschaft und der nicht einmal Kinder wissen, was sie denken, glauben, reden oder gar feiern dürfen? Wie wär es mit vorleben, was wir glauben und dazu stehen, was und wer wir sind? Die Frustration über die gescheiterte Integration von Migranten führt zu Fremdenhass und ist letztlich ein Zeichen unserer eigenen Schwäche. Nochmals: Nicht die Migranten sind das Problem – wir sind es! Und, die Wut am Ausländer auszulassen, geht gar nicht!

Ich wünsche mir, dass wir Schweizer wieder stolz auf unsere Wurzeln wären. Vielleicht darf es uns gelingen, dass wir selbst wieder Freude über unsere Nation, unseren Glauben und unsere Geschichte empfinden und uns selbst erlauben, diese Dinge wieder zu feiern! Wir könnten von den Menschen in Honduras lernen: Mehr Selbstbewusstsein, mehr Stolz, mehr Ehrgefühl und mehr Respekt einander gegenüber. Mehr Bewusstsein über die eigene Identität könnte Wunder bewirken.

Ein Kommentar von Alexander Blum, Gesamtleiter und Gründer des Kinderhilfswerks Casa Girasol, anlässlich der Nationalfeiern von September 2019 in Honduras.

Ein weiterer Kommentar zum Thema Migration hier im Blog: Der Traum der USA