Lebensgeschichten – Camp-Rückblick Marina Martin

Marina Martin-Vaccaro war viele Jahre Teil des Vorstandes und Gründungsmitglied des Missionswerks Casa Girasol, hat mehrere Gruppeneinsätze geleitet und für ein Jahr in Honduras gelebt. Im April 2010 erlebte sie eine Campwoche mit Heimkindern und gibt uns einen Einblick in die Lebensgeschichten der Kinder und Jugendlichen dieses Camps.

Mit dem Pferd in die Vereinigten Staaten

Das Goldgräber-Camp ist vorbei. Die Kinder sind in den Bus gestiegen und wieder zurück in ihren Alltag gefahren. Zurück bleiben Eindrücke, Emotionen, Geschichten, Erlebnisse, ganz viele Kindergesichter, welche sich in unsere Herzen gebrannt haben und ihre Lebensgeschichten, die uns bewegen.

Mit dem Pferd in die USA

Lebensgeschichten, wie die von Carlos, 14. Sein Vater hat die Familie im Stich gelassen und wurde später umgebracht. Aus Verzweiflung um die Familie machte sich Carlos zur Jahreswende zum 1. Januar 2010 alleine auf den illegalen Weg in die Vereinigten Staaten. Seine Mutter und seine Schwester wussten nicht, wo er war. Er stiegt in den Bus und fuhr soweit er kam. Dann stahl er ein Pferd und führt seine Reise reitend weiter. Wer weiss, was er alles durchstehen musste, ohne Geld, ohne Proviant. Er schaffte es bis nach Mexiko. Dort wurde er entdeckt und ins Gefängnis geworfen, danach noch in zwei weitere. Letztlich kam er zurück nach Honduras, ins Kinderheim von Casa Alianza.

Auch Abigail schwirrt in meinen Gedanken herum, deren Mutter sie mit Draht geschlagen und misshandelt hatte. Und trotzdem zeigte uns Abigalil diese Woche, dass sie eine so schöne Stimme hat und Punta (ein traditioneller Tanz der Garifunas) tanzt wie eine Weltmeisterin. Oder Scarleth, die bei uns im Camp beim Memory spielen glänzte und deren Bruder ihr früher ein Messer in den Bauch gerammt hatte.

Ich denke auch an Gerson mit seinem steten Lächeln für jeden, dem er begegnet. Ena, die so toll tanzt und sich um den kleinen Fanor wie einen Bruder kümmert. Clara, die ein richtig ansteckendes Lachen hat. Dennis, der die ganze Zeit nur an Marihuana denken kann und sich von Gott wünscht, dass er ihn von der Drogensucht befreit. Angel, der das Springseil für sich entdeckt hatte und auf dem ganzen Gelände herumhüpfte. Fatima, die mir einen Brief geschrieben hat. Nancy, die sich heimlich aber offensichtlich in Heriberto verliebt hat.

Erinnerungen, die bleiben

Das Lagerfeuer und die vielen Lieder, das Pferdereiten, das Theaterspielen, das Basteln, die Bambuswasserleitung, die Geländespiele, die Reflexionen am Morgen und am Abend, das viele gute Essen, die Tischspiele und die gute Stimmung. Das sind die Erinnerungen, die bleiben.

Was die Kinder am meisten beeindruckt und ihnen nebst dem schönen Ort und den tollen Aktivitäten am besten gefallen hat, ist, wie wir mit ihnen umgingen und wie viel Liebe sie in dieser Woche erfuhren.

Es ist schön, zu sehen, wie viele Kinder in dieser Lagerwoche ihr Kindsein wieder entdeckt haben und wie sie mit Freude gespielt und sich in der schönen Umgebung frei gefühlt haben.

Marina Marin-Vaccaro

Weitereführende Informationen zu den Campwochen und Waldcamps mit Strassenkindern findest du auf unserer Webseite. Wenn du selbst einmal direkt mit den Kindern arbeiten möchtest, dann schau dir unsere Angebote von missionarischen Kurzeinsätzen in Honduras, Mittelamerika, an. Wir würden uns sehr über deine praktische Mitarbeit freuen!