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Kindern in grosser Not begegnen – Ein Besuch im öffentlichen Spital

Wie kann man Kindern in grosser Not begegnen? Was kann man ihnen weitergeben? Wie kann man ihr Leid lindern? Diese Fragen haben wir uns als Team gestellt, bevor wir heute das öffentliche Spital besuchten.

Ronal und Patientin im Kinderkrankenhaus

Mami, ich will nach Hause!

Alejandro (12) ist tränenüberströmt. Er will nach Hause. Er fleht seine Mutter an: „Mami, nimm mich mit!“ Doch nach Hause darf Alejandro noch lange nicht. Erst gestern wurde er ins öffentliche Spital eingeliefert, jetzt liegt er auf der Orthopädie des Hospital Escuela. Sein rechtes Bein ist zertrümmert, aber er ist am Leben. Alle anderen, die mit ihm Kleintransporter unterwegs waren, sind tot. Nun liegt er hier, in alter Bettwäsche, in einem grossen Saal mit 20 weiteren Kindern. Schmuddelig und unhygienisch sieht es aus, keine Farbe an den Wänden, keine Klimaanlage, kein Fernseher und kein Spielzeug. Das ist die bittere Realität des maroden Gesundheitswesens in Honduras. Alejandro und all die anderen Kinder hat uns Team heute besucht.

Schicksale ohne Ende

Iris ist von der Leiter gefallen und hat sich ein Bein gebrochen. Luis spielte mit der Mühle und verlor eine Hand, Pedro liegt isoliert und nackt, er hat eine offene Wunde und wenn sie nicht bald abheilt, wird er wohl sein Bein verlieren. Vier Säle hat diese Abteilung des Universitätsspitals. Es gibt viel zu wenig Ärzte und Pflegepersonal. Gebadet werden die Kinder von ihren Müttern. Wir haben kleine Bastelarbeiten mitgebracht, die wir am Krankenbett mit den Kindern machen. Wir malen Krippenfiguren und knüpfen Armbänder.

Traumabewältigung

Kinder sind direkt und sagen schnell: „Schau dir mal meine Wunde an!“ Man kann dann entweder die Augen verschliessen oder einen gespannten Blick ins Innere des Körpers wagen. Wer Kindern in ihrer Not begegnen will, der schaut hin. „Wow, das hat bestimmt ganz schön weh getan!“ Man muss mit Kindern über das Erlebte reden, das hilft beim Verarbeiten. Man darf sogar etwas Mitleid zeigen, aber am Ende muss der Blick vom Unfall weggelenkt werden, hin in die Zukunft: „Beim nächsten Mal passt du bestimmt besser auf, oder?“, „Wann haben die Ärzte gesagt, dass du wieder Fussball spielen darfst?“ oder „In wie vielen Tagen gehst du nach Hause?“. Jeder Unfall ist ein harter Schicksalsschlag, aber er bedeutet nicht das Ende der Geschichte. Die mitgebrachten Bastelarbeiten helfen, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und während 20 Minuten bleibt genug Zeit, um auch andere Dinge anzusprechen und einfach etwas zu plaudern und zu witzeln.

Hoffnung wecken

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen gutzureden und Hoffnung wecken. Man kann nicht einfach „Das wird schon wieder!“ sagen, wenn plötzlich ein Bein fehlt. Man muss die Dinge beim Namen nennen: „Du hast jetzt einige schwierige Zeit vor dir. Du musst lernen, mit nur einem Bein zu leben. Lass uns gemeinsam Gott bitten, dass er dir die nötige Kraft dazu gibt.“ Unsere Hoffnung als Christen besteht nicht darin, dass alles schon wieder gut wird, sondern dass Gott uns nicht verlässt, auch dann nicht, wenn es unaussprechlich hart wird.

Wie begegnet man also Kindern in grosser Not? Indem man Interesse zeigt und aufmerksam zuhört und nicht versucht, auf die Frage „Warum lässt Gott das zu“ eine Antwort zu geben. Was kann man ihnen weitergeben? Die Zuversicht, dass Gott auch jetzt bei ihnen ist. Wie kann man ihr Leid lindern? Indem wir eine Abwechslung bieten, spielen und basteln – nicht damit sie ihr Leid verdrängen, sondern damit sie erfahren, dass es trotz allem Dinge gibt, die Spass machen und Freude bereiten können.

Das Team des Kinderhilfswerks Casa Girasol hat am 14.12.2019 eine Gruppe „Brigada“ der katholischen Kirche begleitet, um die Gemeinde mit unserer Erfahrung im Umgang mit bedürftigen Kindern und Jugendlichen bei dieser Aktivität zu unterstützen. Die Gruppe verteilte an die Kinder Literatur, Kleidung, Decken und eine warme Mahlzeit. Schon früher haben wir mit der Kirchgemeinde zusammengearbeitet.

Categories: Kinderprogramme News Projekte

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casagirasolhonduras

Ich bin Alexander Blum und blogge für das Schweizer Hilfswerk Casa Girasol, dass sich in Honduras für die ärmsten Kinder in diversen Arbeitsbereichen einsetzt.

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