Kinderheim: Nach nur 10 Minuten sagte Alexis mir bereits „Papi“

In diesem Erlebnisbericht, das im Infoblatt Winter 2019/2020 (auf ISSUU lesen) erschienen ist, berichtet Alexander Blum von den Besuchen im Kinderheim CREA San Matias.

Unser Besuch im Kinderheim

Im Rahmen der Kinderprogramme ist das Team von Casa Girasol oft unterwegs, um Kinder in armen Kinderheimen zu fördern. Wie wichtig diese Arbeit ist, möchte ich am Beispiel des Heims für minderjährige Mütter und ihre Kleinkinder beschreiben.

Normalerweise fährt unser Team im Auto eines Mitarbeiters ins abgelegene San Matias. Am 22. Oktober 2019 unternahmen wir die Reise jedoch in einem anderen Fahrzeug, das denen des Jugendamtes ähnlichsieht. Gross war daher die Nervosität der jungen Mädchen, die sich in Reih und Glied in der Einfahrt aufstellten. Denn, wenn das Jugendamt kommt, gibt es meist schlechte Nachrichten. Entweder taucht es im Heim auf, um eines der Mädchen in ein anderes Heim zu bringen, oder um eines der Kleinkinder wegzunehmen und in eine Pflegefamilie zu stecken. Dementsprechend ausgelassen war die Erleichterung und Freude, als nur unser Team aus dem Auto stieg.

Besuche im Kinderheim CREA. Kinder beim Basteln.

Abwechslung im tristen Heimalltag

Die 14 Mädchen und ihre Kinder leben aus verschiedenen Gründen in diesem Heim: Sie wurden straffällig, waren Strassenkinder, hatten Suchtprobleme oder erlitten Gewalt und Missbrauch.
Das Kinderheim unserer Partnerorganisation CREA ist sehr arm und die Lebensbedingungen sind erdrückend. Es fehlt selbst an den notwendigsten Dingen, wie Spielzeug und manchmal sogar Lebensmittel oder Hyigieneartikel für die Mädchen und ihre Kinder.
Während unser Team an diesem regnerischen Tag mit den Mädchen Stelzenlaufen und Trommeln übte, um sie für einen Auftritt an einer Hochzeit vorzubereiten, spielten in einer anderen Ecke der notdürftigen Unterkunft ein paar Mädchen mit mir UNO. Bewusst hatte ich einige der Kleinkinder bei mir und liess sie mitspielen.

Als ich einem dreijährigen Jungen sagte, er solle eine gelbe Karte auf den Stapel legen, meinte seine Mutter: „Das bringt eh nichts, dass du ihm das sagst, er kennt die Farben nicht. Er sollte besser gar nicht mitspielen!“ Ich antwortete: „Genau aus diesem Grund möchte ich, dass auch er mitspielt, denn nur so wird er bald die Farben lernen.“

Die jungen Mütter sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Wie sollte es auch anders sein, sind sie selbst doch noch Kinder.“

Jede hätte mir am liebsten ihr Baby mitgegeben, Alexis sagte mir nach 10 Minuten schon: „Du bist jetzt mein Papi“. Irgendwie zerreisst es mir auch im Nachhinein das Herz, wenn ich daran denke, welche Umstände zur Geburt der Kleinen geführt haben und wieviel Ablehnung sie weiterhin erleben.

Darum sind unsere Besuche wichtig

Es ist wichtig, dass unser Team diese Mädchen und ihre Kinder wöchentlich besucht, verschiedene Workshops durchführt und biblische Geschichten erzählt. Das Betreuungspersonal des Heimes mag noch so engagiert sein, aber es ist schlicht und einfach unmöglich, dass zwei Angestellte, wie sie dieses Heim hat, sich gut um diese liebesbedürftige Gruppe kümmern könnten. Dabei hätten gerade sie viel Aufmerksamkeit nötig.

Auch unsere Besuche mögen unbedeutend wirken. Aber es macht für die Mädchen und ihre Kinder einen grossen Unterschied, ob sie die ganze Woche an einem abgelegenen Ort unter misslichen Umständen leben und nie jemand zu Besuch kommt, oder ob da immer dienstags ein motiviertes Team für Abwechslung sorgt und sie fördert.

Manchmal, wenn es unsere finanziellen Mittel zulassen, laden wir die ganze Gruppe zudem für ein paar Tage zu uns ins Casa Girasol ein. Zuletzt waren alle im Oktober 2019 bei uns zu Gast und wir durften uns, gemeinsam mit Volontärinnen, intensiv um sie kümmern.
Diese Kombination aus regelmässigen Besuchen im Heim und Camps bei uns im Casa Girasol ermöglicht es, dass die Jugendlichen reifen, die Beziehungen zwischen den Müttern und ihren Kindern gestärkt werden und sie im Glauben neue Lebensperspektiven finden.

Alexander Blum

Möchtest du vielleicht selbst mit diesen Kindern arbeiten? Dann wäre vielleicht ein Basiseinsatz (ein mehrmonatiger Missionseinsatz) etwas für dich. Auch beim Workcamp im Sommer bei uns in Mittelamerika könntest du diese Arbeit besuchen.