Kindern auf der Strasse Geld geben? Darf man das?

Nicht nur in Honduras, sondern überall auf der Welt findet man bettelnde Kinder auf der Strasse. Herzzerreissend strecken sie die Hand aus und bitten uns um ein paar Münzen. Doch, sollte man diesen Kindern auf der Strasse überhaupt Geld geben? Ich gehe der Frage auf den Grund und erläutere mein „Nein!“ aus eigener Erfahrung.

Auf der Strasse Kindern Geld zu geben, kann ihr Leid vergrössern

Bettelnden Kindern auf der Strasse kein Geld zu geben, kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Was sind schon ein paar Franken oder Euro? Mit wenig könnte man doch bereits eine Freude bereiten. Aber nein, Kindern Geld zuzustecken vergrössert am Ende ihr Leid und daher sollte man es nicht tun! Hier ein paar Gründe:

  • Strassenkinder betteln oft, um Drogen oder Rauschmittel kaufen zu können. Deine Spende wird nicht Hunger stillen, sondern den Drogenkonsum fördern.
  • Strassenkinder suchen keine Hilfe bei sozialen Einrichtungen, weil sie auf der Strasse einfach an Geld und Drogen rankommen. Deine Münzen verlängern nur ihr Leben auf der Strasse.
  • Kinder, die betteln oder die Autoscheiben putzen, werden oft von Erwachsenen kontrolliert und diese erhalten einen Grossteil der Einkünfte. Unter Umständen finanzierst du mit deinem Geld kriminelle Banden.
  • Bettelnden junge Mütter sind meist ebenfalls Opfer der Bettelbanden und geben ihnen das Geld ab. Die Kleinkinder, die sie auf dem Arm halten, werden mit Drogen ruhig gemacht, denn für ein fröhliches, lächelndes Kind gibt niemand Geld. Oft sind diese Kinder sogar nur gemietet. Denn mal ehrlich, die Masche mit den Babys erweicht doch auch dein Herz?
  • Aus Indien sind z.B. auch Fälle bekannt, bei denen Kinder extra verkrüppelt werden, damit sie erfolgreicher Touristen um Geld bitten können.
  • Kinder, die zum Beispiel Kaugummis verkaufen, werden oft von ihren Eltern zum „Arbeiten“ auf die Strasse geschickt und besuchen keine Schule. Du sorgst mit deiner Hilfe, die gut gemeint war, dass das auch so bleibt.

Fazit: Deine gute Tat hat ein böses Ende

Darf ich dir noch ein kleines Beispiel nennen, dass ich so selbst erlebt habe?

Lester ist ein Junge, der bei uns im Kinderheim lebt. Er hat einen unwiderstehlichen Hundeblick, ein kränkliches Äusseres und ein grosses Plappermaul. Diese Eigenschaften weiss er zu nutzen und deshalb reisst regelmässig aus, um einen Tag auf der Strasse zu verbringen. Zurück kommt er jeweils mit einem vollen Bauch, einem Paar neue Schuhe und jede Menge Münzen. An einem Tag auf der Strasse macht er mehr Geld als unsere Mitarbeiter! Wie sollen wir ihn nun davon überzeugen, dass das Leben auf der Strasse keinen Sinn macht? Die Erfolgserlebnisse auf der Strasse lehren im, kurzfristig, das Gegenteil.

Natürlich gibt es sie, die wirklich bedürftigen Kinder. Und ihnen würdest du vielleicht auch helfen, wenn du ihnen Geld gibst. Doch, nach vielen Jahren in einem Entwicklungsland, bin ich der festen Überzeugung, dass in den allermeisten Fällen deine gute Tat ein böses Ende hervorruft. Und dabei auf unser Herz zu hören, ist unendlich schwierig. Ich glaube, wir machen wir einen Fehler, wenn wir bettelnden Kindern auf der Strasse Geld geben.

Es ist besser, gezielt zu helfen

Es gibt viele Organisationen die viele gute Projekte haben, um die Armut der Kinder dieser Welt zu verringern. Casa Girasol in Honduras ist eine von ihnen. Ich möchte mit meinem Beitrag nicht erreichen, dass du die Augen vor der herrschenden Not verschliesst, sondern dich zum nachdenken anregen, ob du nicht lieber gezielt und nachhaltig helfen möchtest?

Genauso, wie du dir überlegst, welche Lebensmittel du einkaufst, welches Auto du fährst oder wo du Urlaub machst, solltest du dir auch überlegen, wie du dich für die Schwächsten dieser Welt einsetzen willst. Wenn du armen Kindern, egal wo auf diesem Planeten, helfen möchtest, dann ist das grossartig und wir haben auch dazu ein paar Tipps für dich zusammengestellt.

Alexander Blum

(Originaltext 2015, überarbeitet 2019)