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Dieses Erlebnis zehrt an unseren Kräften – Hilfspakete an 76 Familien in Quebrada Honda

Eigentlich sind wir uns vieles gewohnt: Die Szenen auf der Müllhalde, die Armut in den Kinderheimen oder die Situation der Strassenkinder. Aber die Erlebnisse rund ums Verteilen der Hilfspakete im kleinen Dörfchen Quebrada Honda zehren auf besondere Art an unseren Kräften.

Quebrada Honda – Ein Dorf am Ende der Welt

Irgendwo im Nirgendwo befindet sich das kleine Dörfchen Quebrada Honda. Übersetzt bedeutet der Name des Ortes «Tiefe Schlucht» oder «Tiefer Bach». Und tatsächlich führt der Weg zu den 76 Häusern einer steinigen Strasse entlang durch eine tiefe Schlucht und man sieht auch, wo in den Regenmonaten der lebensspendende Bach fliesst. Doch jetzt ist alles trocken. Seit Monaten gibt es keinen Regen und zwei Monate fehlen noch, bis sich die staubige Erde wieder in grünes Land verwandeln wird.

Um die 400 Menschen leben in Quebrada Honda. Sie leben von dem, was der Boden hervorbringt. Das ist nicht viel, reicht nicht für den Verkauf, stillt aber die notwendigsten Bedürfnisse. Ein paar Dorfbewohner arbeiten einige Kilometer entfernt in den Ziegelsteinfabriken. Aber jetzt, während der Corona-Krise, mussten diese die Produktion einstellen und so schnell wie der Lockdown kam, so schnell verloren die Fabrikarbeiter ihre Arbeit. Es gibt kein Vieh, das geschlachtet werden könnte, kein Gemüse, das in der Trockenzeit wächst und die Vorräte aus der letzten Ernte sind längst aufgebraucht. Die Menschen in Quebrada Honda haben nur eine Hoffnung: Vielleicht sendet Gott trotz Ausgangssperre irgendwann irgendjemanden mit ein paar Lebensmitteln ins Dorf.

Flehen mit Tränen in den Augen

Das Team von Casa Girasol spürte im Herzen ein grosses Drängen, die Familien in Quebrada Honda zu besuchen. Und so machen wir uns am 15.04.2020 auf den Weg und fuhren zu diesem abgelegenen Ort. Dort angekommen konnten wir in jedes Häuschen ein Hilfspaket, gefüllt mit Lebensmitteln und Hygieneartikel, tragen. Die Reaktionen der Dorfbewohner haben uns sehr bewegt. Einige Familien waren einfach nur dankbar und meinten, Gott möge uns das tausendfach vergelten. Andere waren schüchtern oder gar beschämt. Wieder andere erzählten uns vom grossen Leid, dass sie momentan durchleben müssen. Die 84-jährige querschnittsgelähmte Oma, für die ihre Tochter, die sie pflegt, keine Windeln mehr kaufen kann. Der 93-jährige Uhrgrossvater, dessen Ehefrau im Krankenhaus ist und er nicht weiss, wie es ihr geht. Das junge Pärchen mit ihrem Baby, dem sie seit 4 Wochen keine Milch mehr geben können, oder der 54-jährige Hilfsarbeiter, der eigentlich gar nicht dort lebt, jetzt aber in einer Bretterhüte hausen muss, weil er mit dem Lockdown seine Arbeit verlor und keine Möglichkeit besteht, wie er in sein Heimatdorf zurückkehren könnte.

Unser Team war früher oft in Quebrada Honda und hat wöchentlich Kinderprogramme veranstaltet. Schon immer war uns bewusst, dass dort wirklich bedürftige Menschen leben, doch die Situation, wie wir sie an diesem Tag vorgefunden haben, hat unsere schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Die Menschen besassen schon vorher nicht mehr als eine Schlafgelegenheit, ein Plumpsklo und vielleicht einen Stuhl. Aber dass nun plötzlich kein Herdfeuer mehr brennt, weil sie gar keine Lebensmittel haben und das Menschen, die uns sonst fröhlich begegneten, plötzlich zu weinen beginnen und leiderfüllt um Hilfe flehen, haben wir so nicht erwartet.

Die letzte schlechte Ernte hat diese Familien in grosse Not gebracht und die aktuelle Corona-Krise lässt sie nun noch tiefer fallen. Eigentlich schaffen es Familien, wie die in Quebrada Honda, in normalen Zeiten irgendwie selbst über die Runden zu kommen und sie sind durchaus krisenerprobt. Aber diese Corona-Krise ist nicht einfach nur ein Wirbelsturm, der kurz und heftig über ein Land fegt und nach dem man aufstehen, aufräumen und wieder von vorne beginnen kann. In dieser Zeit sind den Ärmsten die Hände gebunden. Nichts kann momentan ihren Hunger stillen. Die besten Einfälle, die beispielslose Willensstärke, die stärksten Hände, die grösste Motivation, alles, was sie sonst täglich beweisen, um zu überleben, ist plötzlich wertlos, weil sie keinen Fuss vor ihr Haus setzen dürfen, es keine Arbeit und keine Hilfe vom Staat gibt und selbst ihre Verwandten sie nicht unterstützen können. Diese Ohnmacht und dieses hilflose Ausgeliefertsein zu sehen, zehrt auch an unseren Kräften.

Wir müssten viel mehr tun können

Wie sehr würden wir es uns wünschen, diesen Familien noch mehr helfen zu können. Doch auch unsere Mittel sind beschränkt. Allein die heutige Verteilaktion der Hilfspakete hat ca. CHF/EUR 2000.- an Kosten für den Kauf der Lebensmittel und Hygieneartikel verursacht. Und morgen schon, werden wir weitere Hilfspakete an einem anderen Ort weitermachen. In zwei, drei Wochen, so Gott will, werden wir aber nach Quebrada Honda zurückkehren.

Jemand fragte uns, ob das Verteilen von Hilfspaketen denn nicht nur ein Tropfen auf den heissen Stein wäre. Nein, das glauben wir nicht! Vielmehr ist es wie ein Schluck frischen Wassers nach einem langen Marsch durch die Wüste. Natürlich ist es uns nicht möglich, alle Last von den Schultern dieser Menschen wegzunehmen, aber wir können durch unsere Verteilaktionen und durch unser Wiederkommen ihre Hoffnung und ihren Durchhaltewillen am Leben erhalten.

Grundsätzlich sind wir davon überzeugt, dass es langfristig sinnvoller ist, in die Förderung der Kinder und Jugendlichen zu investieren, als Lebensmittel zu verschenken – und genau das tun wir ja auch in normalen Zeiten. Aber diese Zeit der Krise ist eine aussergewöhnliche und auf unbestimmte Zeit wurde der armen Bevölkerung jegliche Existenzgrundlage genommen. Jetzt müssen wir den Hunger stillen – die Zeit für die Förderung wird später wiederkommen.

Hilfspakete spenden

Wir würden uns freuen, wenn du unsere Corona-Nothilfe mit einer Spende unterstützen möchtest. Ein Hilfspaket kostet ca. CHF/EUR 28.-. Was genau in den Hilfspaketen enthalten ist, erklären wir dir in einem anderen Beitrag. Du kannst hier per Kreditkarte spenden, unsere Crowdfunding-Aktion unterstützen oder wie gewöhnlich auf unser Spendenkonto einzahlen. Von Herzen sagen wir: «Danke für deine Unterstützung!»

Weitere Informationen:
Corona-Nothilfe im Überblick: Webseite von Casa Girasol

Categories: News Nothilfe Projekte Spendenanliegen

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casagirasolhonduras

Ich bin Alexander Blum und blogge für das Schweizer Hilfswerk Casa Girasol, dass sich in Honduras für die ärmsten Kinder in diversen Arbeitsbereichen einsetzt.

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