Heidi Zwicky: Erlebnisberichte einer Missionarin

Heidi Zwicky (oder Abuela Heidi, wie sie von den Kindern liebevoll genannt wurde) war von 2010 bis 2013 als Missionarin für Casa Girasol in Honduras. Sie war vielen Kindern in diversen Kinderheimen und vor allem den Jungs in unserem eigenen Kinderheim Rafael eine grossartige Grossmutter.

Sie kümmerte sich um alle möglichen kleinen und grossen Dinge. Abuela Heidi begleitete die Kinder auf Behördengängen und Artzbesuchen, nähte Kleider, organisierte Workshops und war einfach für die Strassenkinder da. In verschiedenen Briefen erzählte sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken. Ein paar Auszüge haben wir hier für dich aufbewahrt.

Zahnarztbesuch in Honduras

7. Februar 2011

Ich war eine Woche bei der Organisation Casa Alianza, um dort etwas mitzuhelfen. Ich durfte drei Mädchen zum Zahnarzt begleiten. Davon möchte ich euch berichten.

Mitten im Farbladen

Termin 10.00 Uhr, natürlich waren wir erst 10.20 Uhr dort (das ist in Honduras normal). Wir treten in einen Farbladen ein – das soll die Zahnarztpraxis sein! Ich bin gespannt, was uns da erwartet. Nach einer halben Stunde kommt jemand und öffnet die Gittertür: „Ihr könnt kommen“. Wir gehen in einen grossen Raum mit drei Stühlen. Die Zahnärztin kommt mit einem Lappen und reinigt die Stühle, damit wir sitzen können.

Ein alter Zahnarztstuhl, ein altes Pult mit einer unübersichtlichen Ordnung (bei uns würde man sagen ein Chaos), ein Kasten der aussieht wie ein alter Küchenkasten, ein uralter schmutziger Röntgen-Apparat. Eine alte Zahnbohrmaschine die durch einen Generator angetrieben wird. Es tönt wie in einer Werkstatt. Ein Telefon auf dem Fussboden.

Der Behandlungsraum

Dann geht’s los, erstes Kind: Ab und zu fehlt etwas, dann sucht die Zahnärztin in den 4 Schubladen. Schnell hat die Zahnärztin festgestellt, wie viele Löcher das Kind hat und sie flickt heute mal 2 davon. Die Frau arbeitet alleine ohne Gehilfin.

Fliessend Wasser gibt es keines im Raum aber eine leere Milchflasche enthält Wasser zum Spülen des Mundes. Ein Teil was sie an Material gebraucht hat wird kurz in ein Desinfektionsmittel eingelegt, damit es sofort wieder gebraucht werden kann. Ich kann Euch sagen, das waren spannende 3 Stunden, die wir beim Zahnarzt verbracht haben. Von Hygiene war nicht viel zu sehen, Hauptsache die Löcher sind geflickt und die Zahnärztin ist lieb zu den Kindern.

Honduras ist ein spezielles Land

16. Mai 2011

Honduras ist wirklich ein spezielles Land. Ich fühle mich aber sehr wohl hier und es geht mir gut. Auch wenn es Momente gibt, wo man sich so hilflos vorkommt.

Auf dem Gang über den Markt sieht man soviel Armut: Es liegen so viele verwahrloste und behinderte Menschen am Boden oder sie stehen mitten im Verkehr um zu Betteln. Auch Kinder mit ihrer Petflasche, in der sie Lösungsmittel zum Schnüffeln haben, trifft man oft an. Das sind traurige Bilder die einem schon nachdenklich stimmen.

Ja, die Armut ist sehr gross hier in Honduras! Die Leute sind zwar meist sehr hübsch gekleidet, auch die Armen. Man bekommt nicht ganz neue, aber schöne und gute Kleider sehr billig. Kürzlich habe ich drei T-Shirts für 10 Lempira (ca. 50 Rappen) gekauft.

Letzte Woche hab ich wieder ein Mami eines Heim-Jungen kennengelernt. Sie ist alleine mit fünf Kindern, das 6. ist bei uns. Sie hat mir gesagt, das ihr Mann gestorben sei. Das jüngste Kind ist fünf Monate alt. Sie leben in ganz armen Verhältnissen. Ja, ihr seht, mir wird’s nicht langweilig. Es gibt noch viel zu tun. Euch allen möchte ich herzlich danken für all eure Schreiben, Telefonate und vor allem das Mittragen im Gebet.

Kindergeburtstage

23. Juni 2011

Die Kinder erinnern mich meist schon einige Tage vorher: „Abuela habe dann und dann Geburtstag, machst du ein Kuchen?“ Das lieben sie über alles. Bis jetzt hab ich alles nach Schweizer Rezepte gemacht, Zucheti-, Karrotten-, Zitronen- und Orangen-Kuchen.

Der letzte Geburtstag wurde so gefeiert: Nach dem Nachtessen gabs ein Spielabend, danach einen schön dekorierten Kuchen mit Kerzli. Meist hilft ein anderes Kind den Kuchen zu verzieren, das macht Spass! Eine Selbstgebastelte Mütze wird aufgesetzt und so darf das Geburtstagskind dann die Kerzen ausblasen. Eine für mich unschöne Sitte ist dass dem Geburtstagskind ein rohes Ei auf dem Kopf zerschlagen wird. Für die Kinder ist das ein Riesen-Plausch, nicht unbedingt fürs Geburtstagskind. Dann wird der Kuchen aufgeschnitten und verteilt inklusive Getränk. Dazu gehört aber auch noch ein Geschenk, ein schönes grosses Frotteetuch, eine Schweizer Schoggi (die uns die Volontäre aus der Schweiz mitbringen) und etwas Süssigkeiten . Das „Problem“ ist nur dass die Kinder das Frotteetuch aufhängen im Zimmer. Das war eigentlich nicht die Meinung. Aber sie finden es zu schön um es zu brauchen!

Lagerfeuer

12. September 2011

Der 10. September ist in Honduras Tag des Kindes. Dieser Tag wird gefeiert mit Piñatas, mit Bonbons mit Kuchen etc. Das ist ein wichtiger grosser Tag. Im Kinderheim Rafael hatten wir am Abend ein Lagerfeuer auf dem Fussballplatz. Die Kinder hatten keine Geduld zum Warten bis es Glut hatte, immer wieder wird neues Holz aufgelegt, damit es so richtig grosse Flammen gibt, und das Fleisch und der Maiskolben so schnell als möglich fertig sind, zwar ist alles schwarz, aber das macht nichts, Hauptsache es konnte im Feuer gegrillt werden.

Dann haben wir die Gymnastikmatten ums Feuer gelegt die Kinder holen ihre Leintücher, Wolldecken, Badetücher, teils Mütze Handschuh etc. denn es ist schliesslich nur ca 15 Grad warm, aber eine wunderschöne Nacht ohne Regen mit Vollmond und Sternenhimmel. Wir geniessen es mit spielen, tanzen, Musik, ums Feuer sitzen, auch eine Stunde mit Geschichten aus Honduras ab einer CD. Das war ein herrliches Bild, wir liegen alle auf den Matten eng zusammen, damit wir ja nicht kalt haben.

Neue Farben fürs Kinderheim

21. Juni 2013

Im Kinderheim Rafael wird fleissig gearbeitet. Zuerst müssen alle Wände gereinigt werden, das ist eine grosse Aufgabe, haben doch die Kinder vieles mit Leim an die Wände geklebt. Risse und defekte Stellen werden ausgebessert, dann werden alle Räume neu gestrichen, zusammen mit den Kindern. Zum Schluss gibt’s gross Reinigung der Zimmer, alles sieht wieder schön aus. Die Kinder mussten zwar zuerst motiviert werden mitzuhelfen zu putzen, als aber alles fertig war, fanden sie „wau…wie schön unsere Zimmer nun sind, unseres ist das schönste fand jede Gruppe“. Auch aussen wird das Haus neu gemalt. Damit werden wir noch etwas Arbeit haben.

Aus Honduras grüsst Euch Heidi Zwicky