Einsätze auf der Müllhalde – Hoffnung am Rande der Gesellschaft

Hilfsprojekt Müllhalde Honduras Essen verteilen

Einsätze auf der Müllhalde – Hoffnung am Rande der Gesellschaft

Am 24. Juli, 9. und 16. August 2019 konnte das Team vom Kinderhilfswerk Casa Girasol gemeinsam mit der Gruppe des Workcamps die Menschen auf der Müllhalde besuchen und praktisch helfen. Bei jedem Besuch verschenken wir ca. 200 Mahlzeiten und manchmal haben wir auch weitere Dinge dabei, die uns von Freunden gespendet wurden. So verteilten wir am 24. Juli duzende Hygienepakete (Zahnbürste, Zahnpasta, Seife und Waschmittel) an die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen auf der Deponie. Am 9. August waren es Schuhe, die uns geschenkt wurden und die wir weitergeben konnten.

Von Herzen möchten wir allen Spenderinnen und Spender danken, die diese Besuche möglich gemacht haben. Sie haben unsere Einsätze möglich gemacht und dank ihnen durften wir etwas Hoffnung zu den Menschen am Rande der Gesellschaft bringen.

Miguel – Der Kleidersammler auf der Müllhalde

Durch persönliche Gespräche möchten wir die Menschen und ihre Lebenssituation besser kennenzulernen. Gerne erzählen wir dir hier die Geschichte von Miguel:

Miguel ist 10 Jahre alt. Einmal pro Woche reist er gemeinsam mit seiner Nachbarin aus Talanga per Autostopp zur Müllhalde von Tegucigalpa. Dort sucht er in den Abfällen nach verkaufbaren Dingen. Zwei riesengrosse Säcke schleppt er nach einem erfolgreichen Arbeitstag in Richtung Überlandstrasse, von wo aus er wieder per Autostopp nach Talanga fährt.

Seine Mutter macht es wie die Nachbarin: Sie wäscht die im Müll gefunden Dinge so gut, wie es geht und verkauft diese dann auf dem örtlichen Markt an die lokale Bevölkerung. Ob sie ihren Käufern erzähle, woher die Ware stammt? «Nein, ich sage, ich habe sie auf dem Markt von Tegucigalpa gekauft. Würde ich sagen, dass sie von der Müllhalde kommen, würde mir natürlich niemand etwas abkaufen.»

Wenn man weiss, was Miguel und seine Nachbarin im Abfall suchen, dann verwundert das auch nicht: Kleider, Kissen und Lebensmittel! Dass dies ekelhaft und gesundheitsgefährdend ist, verstehen sie nicht. Miguel und seine Nachbarin kämpfen um ihr Überleben. Sie haben sogar dankende Worte übrig: «Gott ist grossartig und lässt uns jede Woche viele Dinge finden. Er hält uns am Leben.» Doch ob Gott möchte, dass sie die Gesundheit anderer aufs Spiel setzen? Wir wagen dies zu bezweifeln!

Miguel war noch nie in der Schule. Auf die Frage, was er denn später einmal werden möchte, kam die ernüchternde Antwort: «Keine Ahnung, ich habe keine Träume». Uns blieben nur ermahnende Worte: «Wenn du nicht zur Schule gehst, dann wirst du wahrscheinlich ein Leben lang hier auf der Müllhalde arbeiten. Es ist sehr wichtig, dass du damit beginnst!» Doch was können diese Worte bewirken, wenn letztlich Miguels Mutter den Sinn und Zweck einer Schulbildung nicht erkennt und ihn nicht dorthin schickt?

Eine ähnliche Lebensgeschichte hat auch der Junge Moises, von dem wir im August-Flyer berichten.

Blick auf die Müllhalde von Tegucigalpa

Das tote Baby im Abfall

Glücklicherweise waren unsere Volontäre beim letzten Besuch nicht so neugierig wie unsere Mitarbeiter, die wissen wollten, warum sich an einer Stelle auf der Müllhalde eine Menschenansammlung gebildet hatte, und so blieben ihnen grausame Eindrücke erspart. In einem Plastiksack wurde ein kleines Mädchen tot entsorgt und schliesslich von den Müllsammeln entdeckt. Schauerlich, aber bereits früher hatte man uns erzählt, dass immer wieder auch Föten, Babys und Leichen im Abfall entsorgt werden. Sie sind Opfer von illegalen Abtreibungen, Kindstötungen oder Gewaltverbrechen. Alles, wirklich alles, landet in Tegucigalpa auf dem Abfallberg.

Bis ans Ende der Welt                                         

Die Menschen auf der Müllhalde von Tegucigalpa leben und arbeiten wirklich am Ende der Welt, am Rande der Gesellschaft. Dass wir hier dank deiner Unterstützung aktiv werden dürfen und Schritt für Schritt einen Samen der Hoffnung aussäen dürfen, bereitet uns grosse Freude!

Natürlich ist es wichtig und grossartig, dass wir den Menschen am Rande der Gesellschaft kleine Geschenke machen können. Und auch, dass wir den Hunger für ein paar Stunden stillen dürfen, ist eine bemerkenswerte Sache. Doch damit ist nicht genug getan! Um die Lebensbedingungen auf der Müllhalde und das Leben der Müllsammler nachhaltig zu verbessern, braucht es mehr als das.

Darum möchten wir im Rahmen unseres Hilfsprojekts auf der Müllhalde als weiteren Schritt eine tägliche Wasserabgabestelle einrichten und die 500 – 600 Müllsammler jeden Tag mit frischem Trinkwasser versorgen. Erfahre mehr in diesem Blog über das spannende Hilfsprojekt «Zugang zu frischem Trinkwasser».

Lese weitere spannende Erlebnisberichte hier im Blog.