Eine andere Welt – Besuch auf der Müllhalde

Am Dienstag, 11. Juni 2019, begleiteten die freiwilligen Helfer Jeremy, Michael und Joel unseren Einsatz auf der Müllhalde von Tegucigalpa. „Es ist eine ganz andere Welt, die man sich so gar nicht vorstellen kann“, war ihre erste Reaktion.

Eine Realität, an die wir uns nicht gewöhnen sollten

Es tut gut, wenn, wie heute, Personen erstmalig das Team von Casa Girasol begleiten. Wir, die wir regelmässig zu den Menschen auf die Müllhalde fahren, haben uns schon an so einige Dinge gewöhnt. Wenn Neulinge mitfahren, dann erleben auch wir die Situation auf der Müllhalde wie bei unserem ersten Besuch und das Entsetzen über die Misere der Menschen erwacht von Neuem. Daraus schöpfen wir die Motivation, diesen Arbeitsbereich weiter voranzubringen und Spenden zu sammeln, um diesen Personen zu helfen. Und genau das unterscheidet uns von anderen Organisationen. Viele besuchen die Kinder und Erwachsenen auf der Müllhalde 2,3-mal und dann verliert sich das Interesse. Wir aber wollen diesen Kindern und Erwachsenen langfristig helfen und dürfen uns daher an diese Realität nicht gewöhnen, sondern müssen am Willen festhalten, eine Veränderung einzuleiten.

Essen Verteilen auf der Müllhalde

Wie immer verteilten wir Essen

Wenn man das Leben von Menschen verändern will, dann muss man zuerst ihre Grundbedürfnisse stillen. Wir hatten daher – wie immer – eine gesunde Mahlzeit dabei und konnten 200 Teller davon verteilen: Chinesischer Gemüsereis mit Fleisch (den die Honduraner über alles lieben), Tortillas und Getränke. Das Verteilen von Essen bildet die Grundlage, dass die Menschen uns ihr Vertrauen schenken. Indem wir ihnen würdevoll begegnen, öffnen sich Stück für Stück ihre Herzen und sie beginnen uns ihre Geschichten zu erzählen. Bald schon wird diese Beziehungsaufbau-Phase vollendet sein und dann planen wir nachhaltige Projekte, um die Lebensbedingungen der Menschen auf der Müllhalde langfristig zu verbessern.

Geschichten von Iwis

Iwis arbeitet seit sechs Jahren auf der Müllhalde und sammelt für die Recyclinghändler verwertbare Dinge aus dem Abfall. Er berichtete uns heute, dass man für 1kg Papier 3 Rappen erhalte, 1kg Aluminium bringe immerhin 8 Rappen ein. (Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass die Müllsammler gnadenlos von den Händlern über den Tisch gezogen werden.) An Glückstagen könne man auch ein gutes Handy, Goldschmuck oder eine Brieftasche mit Bargeld finden. Aber auch grausame Dinge fänden sich andauernd: Abgetrennte Finger aus dem Spitalabfall oder tote Föten als Resultat der tausendfachen illegalen Abtreibungen.

Die 500-600 Müllsammler haben es gut untereinander. Sie sind eine Leidensgemeinschaft, ja schon fast eine grosse Familie. Und sie verteidigen ihr Revier. Iwis sagte: „Wenn ein Mitglied einer kriminellen Jugendbande hier arbeiten will, dann vertreiben wir ihn – oder er wird in einen Sack gepackt.“ (Anmerkung: In Honduras werden Mordopfer von den Tätern oft in Säcken an abgelegenen Orten entsorgt.)

Wir werden weitermachen

Ja, die Müllhalde ist eine andere Welt! Es unvorstellbar, dass hier nicht nur Erwachsene sondern auch Kinder und Jugendliche arbeiten. Diese Realität stimmt uns traurig und macht uns betroffen. Deshalb werden wir mit unserem Müllhalden-Projekt weitermachen!

Weiterhin fehlen uns finanzielle Mittel, um diese Besuche wöchentlich durchzuführen. Darum möchten wir dich bitten, darüber nachzudenken, ob du dieses missionarische Hilfsprojekt mit einer Spende unterstützen willst. Eine Mahlzeit kostet nur CHF 1.70 / EUR 1.40.