Erlebnisbericht: Ein weiterer Tag auf der Müllhalde

Das erste, was ich mache, wenn wir von der Müllhalde zurückkommen: Duschen und das Auto in die Reinigung bringen. Denn selbst wenn es ein trockner Tag war, dann stinkt es doch gewaltig und der Gestank penetriert Haut und Haare (und eben auch das Auto).   

Etwas Sinnvolles getan

Heute glaube ich mir zudem etwas aufgefangen zu haben: Mein Magen spinnt und mein Kopf brummt. Waren es vielleicht einfach die Gase? Auf jeden Fall war es zu viel, auch wenn wir nur einige Stunden dort verbrachten. Aber dennoch bin ich froh und dankbar, heute auf der Müllhalde von Tegucigalpa gewesen zu sein. Ich habe den Eindruck, dass ich etwas Sinnvolles geleistet habe.

Gleichzeitig ist da aber auch eine Traurigkeit: Eine Mahlzeit zu verteilen ist doch eigentlich gar nichts – auch wenn sie für über 150 Leute war. Spätestens am Abend werden sie alle wieder Hunger haben. Und wenn sie sich zu Bett legen, dann wird ihr Körper gewiss geschundener sein als meiner…  

Was auf der Müllhalde abgeht

Es ist nicht einfach zu beschreiben, was auf der Müllhalde abgeht. Am besten zeigt das unser Video. Da sind Männer, Frauen, Kinder, behinderte Menschen, Senioren und wühlen in den Abfällen. Mit blossen Händen! Die einen suchen nach Aludosen, andere nach PET Flaschen, wieder andere nach Kleidern oder sogar nach Essbarem. Alles, was irgendwie verwertet werden kann, wird rausgeholt (auch das ist eine Form von Recycling!) Nur, dass im Abfall eben auch allerhand Giftiges, Ekliges und Gefährliches enthalten ist.

Wenn ich an meinen Abfallkübel zu Hause denke, dann kann ich mir nur erahnen, wie gross die Not dieser Menschen sein muss. Wenn es mich schon graust, in meinen Abfall die Hand reinzustecken (und ich weiss, dass da eigentlich nichts Ausserordentliches drin ist), wie demütigend muss es für die Menschen auf den Müllhalden sein, ihm Abfall Fremder, ja einer ganzen Millionenstadt, zu wühlen… Aber eben – für sie geht es ums pure Überleben. Unvorstellbar!   

Heute waren wenige Kinder da

Heute waren nicht viele Kinder da, allgemein hatte es weniger Leute, aber dennoch hatten wir keine Probleme unsere 150 Mahlzeiten zu verteilen – und es hätten noch viel mehr sein können. Gross und Klein sind angestanden, haben ihre Mahlzeit bezogen und die meisten von Herzen Danke gesagt.

Dieses mal hatten wir für die Getränke Eis dabei und es war erstaunlich wie viele sagten: «Wow – heute geht’s uns gut, es gibt sogar Eis» (Wohlgemerkt – Simples Eis zum Kühlen und nicht etwa Speiseeis!»  

Ein Hilfsprojekt – eine grosse Herausforderung

Unsere Besuche auf der Müllhalde von Tegucigalpa sind Teil des Engagement von Casa Girasol für Strassenkinder in Honduras und eine grosse Herausforderung. Unser Team kocht das Essen selbst und natürlich müssen auch die Kosten für den Einkauf der Lebensmittel gedeckt werden. Für deine Unterstützung oder die deiner Gemeinde sind wir dir von Herzen dankbar!  

Noch ist unser Missionsdienst auf den Abfallbergen niederschwellig und einfach. Wir wollen weiterhin Vertrauen aufbauen und Nächstenliebe praktizieren. Mittelfristig machen wir uns Gedanken, wie die Arbeit für die Menschen auf der Müllhalde (allen voran für die Kinder) noch mehr Sinn machen kann indem wir weitere Hilfe leisten. Doch erst einmal lernen wir die Menschen kennen, um zu erfahren, welches ihre Bedürfnisse und Sorgen sind.

Alexander Blum, Gesamtleiter

PS: Wer unsere Missionsarbeit live erleben möchte, kann sich gernen für einen christlichen Kurzeinsatz anmelden!

Weitere Erfahrungsberichte von den eindrücklichen Einsätzen auf der Müllhalde von Tegucigalpa findest du ebenfalls hier im Blog. Und wenn du uns unterstützen möchtest, dann haben wir zwei aktuelle Spendenanliegen: Mahlzeiten auf der Müllhalde und Zugang zu sauberem Trinkwasser.