Kurzeinsatz für Kinder: Die Reise unseres Herzens

Mandy Sempf reiste im Sommer 2011 nach Honduras, um als freiwilige Helferin bei einer Lagerwoche mit Strassenkindern im Casa Girasol dabei zu sein. In diesem persönlichen Bericht (erschienen im Infoblatt Winter 2011/2012) erzählt sie von diesem tiefgehenden Erlebnis. Dieser Kurzeinsatz (Viva! Camp) findet auch 2019 und 2020 in ähnlicher Form statt.

Kurzeinsatz die Reise unseres Lebens

Erlebnisbericht von Mandy

Gibt es mehr im Leben?

Ganz bestimmt – diese Fragen erreichen jeden einmal im Leben: «Ist das alles, ist das alles, was mich im Leben erwartet, gibt es da nicht noch mehr?» Ob wir darauf eine Antwort finden, ist abhängig davon, wie wir mit dieser Frage umgehen. Tun wir die Frage ab mit: «Ach, hab dich nicht so, sei nicht anspruchsvoll, nicht so sensibel!» Oder haben wir die Frage schnell weggeschoben mit: «Was soll es schon geben?» Oder sind wir der Frage ausgewichen in Geschäftigkeit oder haben wir die Frage betäubt mit Angeboten auf dem Markt der Eitelkeiten?

Andererseits, wer kennt das nicht, wenn sogenannte Zufälle unser Leben bereichern, zu unseren Gunsten. Begebenheiten, die ausserhalb unseres Wirkungskreises und Kontrolle liegen. Mich führten diese Fragen und solche Zufälle nach Honduras – ins Viva! Camp August 2011 des Casa Girasol.

36 Stunden Reise

Ohne auch nur zu ahnen, was mich erwarten würde, machte ich mich auf den langen Weg von Magdeburg, Deutschland nach Tegucigalpa, Honduras. Neben den beschwerlichen Seiten einer solchen 36-stündigen Reise versuchte ich mich auf die guten Ereignisse zu konzentrieren. Dazu gehörte der Kontakt zu einer Frau mittlerer Reife auf dem New Yorker Flughafen. Auf ihrem Laptop klebte ein Deutschland-Aufkleber, der mich veranlasste, sie auf Deutsch anzusprechen. Sie wohnt in Atlanta und ist Amerikanerin. Derzeit unterrichtet sie in einer Highschool Deutsch und Französisch. Es war eine tiefgehende Unterhaltung, und voller Dankbarkeit nahm ich das Angebot, zum Hotel gefahren zu werden, an.

Kurz darauf konnte ich in einem klassischen. amerikanischen Hotel meinen ersten Schlaf in fremden Gefilden geniessen. Schliesslich, am nächsten Tag, betrat ich honduranischen Boden, wurde herzlichst von der Missionarsfamilie Biaggi begrüsst und in honduranische Gewohnheiten eingeweiht. Schnell musste es gehen, denn bis zur Ankunft der 20 Strassenkinder blieben nur zwei Tage. Dann kamen die Kinder, die in jedem Camp andere sind.

Grossartig! Kinder finden zu Gott

Gemeinsam mit den hauptamtlichen Mitarbeitern und zusammen mit drei weiteren Helfern aus der Schweiz erlebten wir eine aussergewöhnliche Woche. Neben dem Programm und den Angeboten, die die Mitarbeiter für die Kinder vorbereitet hatten, war es unser Hauptanliegen, den Kindern von der Liebe Gottes zu erzählen und sie praktisch erfahrbar zu machen.

So nahmen wir uns für Ermutigung, Zustimmung, Trost und Wegweisung viel Zeit – die Kinder standen in dieser Woche im Mittelpunkt. Für Gott stehen diese Kinder jeden Tag im Mittelpunkt. Er sieht jeden Tag ihres Lebens, jeden Tag, an dem sie um ihr Leben kämpfen, ob innerlich oder äusserlich. So bin ich sicher, dass diese Woche voller Abenteuer, Erholung und fröhlicher Begegnungen ein Geschenk von Gott persönlich an sie war. Einige konnten dieses Geschenk annehmen und erwiderten seine Zuneigung, indem sie ihm ihr Leben gaben. Grossartig! Nun sind sie auf der Reise ihres Herzens und kein Mensch weiss, wohin sie den Einzelnen führt.

Rundreise durch Honduras

Eine zweite Woche folgte für uns Volontäre, um das Land anzuschauen. An der wunderschönen Schöpfung Honduras wurde mir einmal mehr Gottes Kreativität und Vielfältigkeit bewusst. So farbenfroh und üppig, so vielseitig und überraschend, so herrlich und grossartig, dass es mich zu grenzenlosem Staunen brachte. Jetzt bin ich nach einem schmerzvollen Abschied seit zwei Monaten wieder in Deutschland und darf diesen Bericht schreiben.

Ich möchte an dieser Stelle meinen Dank aussprechen an alle, die es möglich gemacht haben, dass ich diese Reise erleben konnte. Auch möchte ich die Gelegenheit nutzen um Sie, liebe Leser, zu ermutigen, sich auch auf die Reise Ihres Herzens zu machen und wer weiss, vielleicht führt sie Sie auch nach Honduras, zu den Kindern, die es dringend brauchen. Vielleicht brauchen diese Kinder gerade Sie, so wie Sie sind. Und wenn dem so ist, bringen Sie ihnen bitte folgende Nachricht von mir mit: Kinder dieser Welt, gebt nicht auf – ein besserer Tag wird kommen!

Mandy Sempf

Weitere Erlebnisberichte zu den Missionseinsätzen findest du in unserem Blog.