Das Geschäft mit Altkleider-Spenden

In den letzten Tagen wurde in den Medien davon berichtet: Texaid-Chef und Aktionär Böschen bekam 2017 rund 380’000 Franken aus den Erlösen der Altkleider-Spenden. Wir wollen daher das Thema Altkleider-Spenden aus unserer Sicht kommentieren und ein paar Gedanken äussern.

Ist der Lohn vom Textaid-Chef ein Skandal?

Diese Fragen ist schwer zu beantworten. Die TEXAID Textilverwertungs-AG ist eine Aktiengesellschaft, zu deren Aktionäre die Familie Böschen gehört. Als Aktiengesellschaft darf sie Löhne, Vergütungen und Dividenden selbst festlegen. Aus rechtlicher Sicht ist also alles in Ordnung.

Was die Diskussion aber letztlich anheizt, ist die Tatsache, dass zu den Aktionären der Texaid auch anerkannte Schweizer Hilfswerke gehören. Sollte da nicht ein bescheidener Wind wehen und mehr Transparenz herrschen?

Was viele nicht wissen

Viele Spenderinnen und Spender von Altkleidern wissen nicht, dass ihre Kleider nicht an Arme verteilt werden, sondern auf dem internationalen Altkleidermarkt gehandelt und verkauft werden. Der Erlös von diesem Handel geht im besten Fall an Hilfswerke, nicht aber das Kleidungsstück selbst. Ein Teil der Kleider endet auf Märkten in Entwicklungsländern, ein anderer Teil wird zu Rohstoffen, z.B. für die Bauindustrie, verarbeitet.

Der Altkleider-Handel kann schaden

In den armen Ländern dieser Welt – wie auch hier in Honduras – gibt es ein endloses Angebot an gebrauchten Kleidern. Für wenige Dollar kann man auch in Honduras hochwertige Bekleidung kaufen. Das ist für viele Menschen der armen Länder eine gute Möglichkeit, Kleidung kostengünstig zu besorgen, wenn man für Neuwaren das nötige Geld nicht hat.

Dennoch hat der Handel mit Altkleidern auch seine Schattenseiten. Das Geschäft mit Altkleidern steht in direkter Konkurrenz mit der lokalen Textilindustrie. Die ARD hat dazu eine eindrückliche Reportage auf Youtube veröffentlicht.

Der ökologische Aspekt

Alte Textilien einfach in den Hausmüll zu werfen, schadet der Umwelt. In Kleidung stecken wertvolle Materialien und zur Herstellung wird viel Energie benötigt. Wenn sie nun einfach im Kehricht landen, ist das eine ökologische Vergeudung wichtiger Ressourcen.

Unser Fazit zu Altkleider-Spenden

Grundsätzlich glauben wir, dass das Sammeln von Altkleidern weiterhin Sinn macht.

  • Altkleider-Spenden sind eine wichtige Einnahmequelle für Hilfswerke, auch wenn es bei der Umsetzung an Transparenz fehlt.
  • Gebrauchte Textilien haben als Rohstoffe einen hohen Wert – daher macht es ökologisch Sinn, sie zu verwerten.
  • Der Handel mit Altkleidern hat aber in den Empfängerländen einen Einfluss auf das Konsumverhalten und negative Auswirkungen auf die lokale Industrie.

Alternativen

Alternativ kann man seine Altkleider-Spenden auch an Organisationen abgeben, die eine direkte Verwendung dafür haben, z.B. an die Heilsarmee oder die Christliche Ostmission. Wir vom Kinderhilfswerk Casa Girasol sammeln momentan ausschliesslich gut erhaltene Kinderschuhe, da sich bei allen anderen Sachspenden der Aufwand für Transport und Verzollung nicht rechnet.