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Corona-Nothilfe: Verzweiflung, Tränen aber auch Momente der Hoffnung

Es ist Zeit für einen Zwischenbericht über die Corona-Nothilfe in Honduras. Vor zwei Wochen hat unser Kinderhilfswerk Casa Girasol die Nothilfe in Honduras gestartet, um Kinder, Jugendliche und Senioren durch diese herausfordernde Zeit zu tragen. Darüber informierten wir im Communiqué vom 18. März 2020. Wir möchten die Schwächsten auch jetzt nicht im Stich lassen, deshalb geben wir unser Bestes, um trotz zahlreicher Einschränkungen praktische Hilfe zu leisten. Damit sich in Zeiten der Verzweiflung und Tränen ein Funken der Hoffnung entzünden kann, sind wir auf eine Extraportion Solidarität angewiesen.

Nothilfe unter erschwerten Voraussetzungen

Casa Girasol beliefert Kinderheime, Seniorenheime und die Menschen auf der Müllhalde mit dringend notwendigen Artikeln, um die Not zu lindern. Von den ersten Lieferungen berichteten wir am 22. März 2020. Doch dabei ist es natürlich nicht geblieben und in den letzten zwei Wochen konnten wir Lebensmittel und Hygieneartikel im Wert von über CHF 7000.- für ca. 300 Personen verteilen. Dafür möchten wir allen Spenderinnen und Spendern von Herzen danken! Das wäre ohne die grosszügige Unterstützung nicht möglich gewesen. Aber leider können wir uns auf diesem Teilerfolg nicht ausruhen. Die Lage wird von Tag zu Tag dramatischer und unser Einsatz geht weiter.

Was die Nothilfe in der Corona-Krise beinhaltet:

  • Kostenlose Lieferung von haltbaren Grundnahrungsmitteln
  • Kostenlose Lieferung von Hygieneartikeln (Windeln, Seife, Zahnpasta, Putzmittel etc.)
  • Unterstützungsbeitrage (Kinderheime) für den Kauf von verderblichen Lebensmitteln

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Die Nothilfe findet unter erschwerten Bedingungen statt.

  • Geschäftsschliessungen: Offiziell sind alle Geschäfte geschlossen, es müssen also Hintertüren gefunden werden, um die Waren beschaffen zu können.
  • Preiserhöhungen: Die aktuelle Situation lässt die Preise in die Höhe schnellen.
  • Versorgungsengpass: Viele Produkte sind nicht mehr lieferbar oder mit sehr langen Lieferzeiten.
  • Ausgangssperre: Nur ein Teammitglied hat eine Ausnahmebewilligung erhalten, um trotz Ausgangsperre Auto fahren und die Besorgungen erledigen zu können. Die anderen Teammitglieder dürfen nur im Casa Girasol mithelfen.
  • Plünderungen: Die zunehmende Unruhe der verzweifelten Bevölkerung führt vereinzelt zu Plünderungen von Lebensmitteltransporten und daher müssen alle Fahrten sorgfältig geplant werden.
Nothilfe Corona Lebensmittel Casa Girasol Honduras Adobe Stock

Warum deine Spende jetzt besonders wichtig ist

Gerade jetzt in den ersten Wochen sind Spenden unglaublich wichtig. Sie erlauben uns einerseits sofort zu helfen und das ist wichtig, denn die Not ist bereits jetzt sehr gross. Andererseits können wir mit einem grösseren Budget auch günstiger, einfacher und koordinierter Waren beziehen. Das senkt die Kosten, reduziert die Fahrten und ermöglicht die Versorgung auch über die nächsten Wochen sicherzustellen.

Wir können und wollen nicht nur einmalig helfen, sondern die von uns betreuten Heime und die Menschen auf der Müllhalde durch die gesamte Zeit der Krise hindurchtragen. All unser bisheriges und zukünftiges Engagement wäre nur halb so glaubwürdig, wenn es uns nicht gelingt, den Kindern, Jugendlichen und Senioren auch in dieser scheinbar ausweglosen Situation zu begegnen. Unsere Nothilfe knüpft an, an unserer bisherigen Arbeit und bildet die Grundlage, für die Zeit nach Corona. Wenn du uns dabei mit einer Spende helfen möchtest, kannst du entweder auf unser Spendenkonto einzahlen oder unsere Crowdfunding-Aktion auf CrowdCircle unterstützen.

Verzweiflung und Tränen – wie die Menschen in Honduras leiden

Die Lage in Honduras ist schwer in Worte zu fassen. Seit drei Wochen steht das Leben in Honduras still. Einmal pro Woche darf man sein Haus verlassen, um in die Bank, zum Supermarkt, zur Apotheke oder zur Tankstelle zu gehen. An allen anderen Tagen drohen Festnahmen, wenn man einen Fuss vor das Haus setzt. Alle Fabriken, Büros und der ÖV sind zu. Polizei und Militär sind überall präsent.

Anders als in Europa gibt es keine Kurzarbeit und keine Arbeitslosenentschädigung. Und sogar die Zahlungen von Angehörigen aus den USA, die zu fast einem Drittel der Wirtschafsleistung ausmachen, sind eingefroren. Ein Grossteil der Bevölkerung hat seine Arbeit und somit sein Einkommen verloren. Angst, Hunger und Verzweiflung machen sich breit. Gruppen haben begonnen, Geschäfte und Fahrzeuge zu plündern, um die stets knapper werdenden Lebensmittel zu ergattern.

Schon 200 Corona-Erkrankungen reichten aus, um das marode Gesundheitssystem kollabieren zu lassen. Ärzte und Pflegepersonal streiken. Sie weigern sich Patienten ohne Masken und Handschuhe zu behandeln. Medikamente gibt es in den Spitälern schon seit Jahren nicht mehr, aber dass es nach so kurzer Zeit kein Schutzmaterial mehr gibt, lässt das Fass überlaufen. Drei Ärzte sind bereits an COVID19 gestorben. Insgesamt liegt die Mortalität momentan bei 10%, die meisten der Opfer sind zwischen 40 und 50 Jahre alt. Das lässt erahnen, dass die Pandemie hier einen besonders schwerwiegenden Verlauf nehmen wird.

Die absolute Ausgangssperre mag ein guter Ansatz sein, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Auf dem Land und in den reichen Stadtquartieren kann das durchaus funktionieren, aber sobald das Virus ein Armenviertel erreicht, sind die Folgen verheerend: Wenn 12 Menschen auf engstem Raum zusammenleben, und drei sich ein Bett teilen, dann ist die humanitäre Katastrophe nur eine Frage der Zeit und niemand mag sich vorstellen, was uns in den nächsten Wochen erwartet.

Und die Regierung? Sie hat die Pensionskassen geplündert, und was mit den Milliarden passiert, kann sich jeder vorstellen, der die Geschichte dieses korrupten Landes kennt. Die Regierung schweigt und macht das, was sie immer macht: Nichts. Keine Hilfe für die Bevölkerung, keine Gelder für die Spitäler, keine Hilfestellung für die Wirtschaft.

Warum das Coronavirus gerade für Entwicklungsländer eine grosse Gefahr ist, erklären wir dir in einem anderen Blogbeitrag.

Auswirkungen für die von uns betreuten Menschen

Alle Organisationen in Honduras kämpfen zurzeit mit den gleichen Problemen: Rückgang der Spenden, höhere Kosten und ausbleibende Beiträge durch den Staat. Als Folge können auch in unserern Partnerheimen die Kinder nicht mehr ausreichend versorgt werden.

Auch für die Kinder, Erwachsenen und Senioren auf der Müllhalde ist diese Situation besonders dramatisch. Es wird weniger Müll angeliefert und es gibt keine Händler, die ihnen die Recycling-Gegenstände abkaufen. Sie, die vom Abfall der Millionenstadt leben, haben plötzlich keine Existenzgrundlage mehr.

Die Menschen in Honduras leiden. Wut, Trauer, Verzweiflung und Angst macht sich breit. Mit deiner Unterstützung können wir diesen Menschen lebensnotwendige Nahrung bringen und so ein wenig Hoffnung aufkommen lassen.

Kontaktiere uns bei Fragen zur Corona-Nothilfe

Hast du Fragen oder Anregungen zur Corona-Nothilfe von Casa Girasol in Honduras? Dann nutze die Gelegenheit und schreibe uns eine Nachricht.

Categories: Kinderheim Kinderprogramme Müllhalde News Nothilfe Projekte Spendenanliegen

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Ich bin Alexander Blum und blogge für das Schweizer Hilfswerk Casa Girasol, dass sich in Honduras für die ärmsten Kinder in diversen Arbeitsbereichen einsetzt.

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