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«Ein besonderes Kind» – Nothilfe für Kinder mit einer Behinderung

«Es ist ein besonderes Kind» – so schön drücken es Honduraner aus, wenn sie sagen möchten, dass ihr Kind eine Behinderung hat. In diesen Tagen durfte ich dutzende Familien mit besonderen Kindern besuchen und ihnen im Rahmen der Corona-Nothilfe von Casa Girasol Honduras ein Hilfspaket überreichen. Von diesen besonderen Begegnungen möchte ich dir heute berichten.

Drei Kinder mit einer Behinderung beim Erhalten der Corona Nothilfe Pakete

Besondere Kinder leiden anders

Ich kann mich nicht mehr an die vielen Namen der Krankheiten, Syndrome und Geburtsfehler erinnern, mit denen diese Kinder leben. Aber ich bin kein Arzt und daher waren die Diagnosen und Fachausdrücke für mich irrelevant – viel wichtiger war es, schöne Momente mit diesen «Engelchen» (so spricht man Kinder mit einer Behinderung in Honduras an) zu erleben. Dean, Maria, Josue, Sara, Leonardo, Carolina und all die anderen Kinder, die ich in den vergangenen Tagen besuchen durfte, sind allesamt ein Geschenk Gottes und ein paar Minuten mit jedem Einzelnen zu verbringen, war eine wertvolle Erfahrung.

Dean wusste, dass ich kommen würde und hatte sich extra in Schale geworfen und den grossen Tag mit Vorfreude erwartet. Eine lange Hose, ein Hemd, einen Gürtel – Schuhe hatte er nicht, aber eine Sonnenbrille.

Maria begann im Anblick der WC-Papierrollen aus Freude zu stampfen, sie konnte nicht sprechen, hat aber eine unglaubliche Kraft und liess nicht zu, dass jemand ihr ihren Schatz wegnahm.

Josue lag im Dauerkrampf und mit verkrüppelten Gliedmassen auf zusammengefügten Stühlen in der Küche, zu allem Überfluss hatte er auch noch Windpocken und hohes Fieber, aber als ich ihn nach seinem Namen fragte, zog sich ein Lächeln über sein Gesicht und sein Brustkorb begann sich schnell zu bewegen, er sabberte vor Freude und das durfte er auch!

Sara war eines der vielen Kinder mit den asiatisch anmutenden Augen und interessierte sich nur für eins: Das im Laternenlicht glitzernde Auto.

Leonardo, der Junge im Rollstuhl, war nicht mehr da. Er ist vor wenigen Tagen verstorben.

Und Carolina? Sie will einfach jeden umarmen und nie wieder loslassen.

Kindern mit einer Behinderung begegnen

Um die 40 Familien mit besonderen Kindern habe ich in dieser Woche besucht und 40 einzigartige Begegnungen gehabt, die lebensechter nicht sein könnten! Freud und Leid sprengten jede Vorstellungskraft. 40 Familien mit einer besonderen Verantwortung, 40 Familien ohne Einkommen, 40 Kinder ohne Medikamente. Der Lockdown trifft diese Familien und ihre besonderen Kinder besonders hart. Was nützt es, wenn diese Familien, die sich alle selbst um die Kinder kümmern, ihre Schützlinge noch so sehr ins Herz geschlossen haben und alles für sie tun würden, wenn der Staat jegliche Handlung verbietet? Wie sollen Lebensmittel auf den Tisch kommen und wie sollen lebenswichtige Medikamente gekauft werden? Auf einen Schlag werden viele der hart erkämpften Fortschritte in der Therapie der Kinder in Luft augelöst

Es sind solche persönlichen Schicksale, die im Zuge der politischen Entscheidungen auf der Strecke bleiben… Wie gesagt, ich bin weder Arzt, noch Experte und schon gar kein Politiker, aber ich sehe täglich, dass diese Krise weit mehr Opfer fordern wird, als es irgendwelche Statistiken zu veranschaulichen vermögen. Unzählige davon in den kleinen Hütten irgendwo auf der Welt, wo Menschen schon vor der Krise ums Überleben kämpften.

Was nützen unsere Hilfspakete?

Das Team unseres Kinderhilfswerks verpackt und verteilt fleissig Hilfspakete mit wichtigen Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Das stillt den Hunger einer Familie für ein paar Tage. Wer sagt, dass Lebensmittel langfristig keine Probleme lösen, dem gebe ich recht. Aber der Hoffnungsfunken, den wir dadurch in jedes Häuschen tragen, kann das sehr wohl. Ich glaube, dass dort, wo Solidarität gelebt und Menschen sich liebevoll begegnen, sich die segnende, heilende und befreiende Kraft Gottes ausbreitet.

Eines ist mir bei den Besuchen dieser Familien besonders aufgefallen: Alle – wirklich alle – sagten, wenn ich das Haus verliess: «Vielen Dank und möge der HERR Sie segnen!» Noch nie wurde in so kurzer Zeit so oft der Segen über mir ausgesprochen. Das blieb nicht ohne Folgen: Ich fühle mich gesegnet. Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit für all die Begegnungen mit diesen Menschen, für all den Einsatz, der unser Team in diesen Tagen bewiesen hat und für all die Menschen, die für die Corona-Nothilfe spenden.

Ihre Unterstützung hat diese Begegnungen möglich gemacht, darum sage auch ich: «Vielen Dank und möge der HERR Sie segnen!»

Alexander Blum, Gesamtleiter

PS: Wir haben wie immer aus Respekt darauf verzichtet, die ganz schlimmen Szenen auf Foto festzuhalten, da wir glauben, dass die Worte genügen, um sich die Situation vorstellen zu können.

Weiterführende Informationen:

Categories: News Nothilfe Projekte Spendenanliegen

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casagirasolhonduras

Ich bin Alexander Blum und blogge für das Schweizer Hilfswerk Casa Girasol, dass sich in Honduras für die ärmsten Kinder in diversen Arbeitsbereichen einsetzt.

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