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Hilfspakete für die Menschen auf der Müllhalde von Danlí

Casa Girasol betreut seit Ende 2017 die Menschen, die auf der Müllhalde von Tegucigalpa leben und arbeiten und auch sie unterstützen wir während der Corona-Krise mit unseren Hilfspaketen. Erstmals besuchten wir nun die Familien, in der kleineren Stadt Danlí mitten im Abfall hausen und fragen uns, warum wir nicht schon früher hier waren…

Eine andere «andere Welt»

Wir sind uns das hektische Treiben auf der Müllhalde der Millionenstadt Tegucigalpa gewöhnt und irgendwie haben wir erwartet, eine ähnliche Situation auf der viel kleineren Mülldeponie von Danlí vorzufinden – doch es war anders und viel familiärer.

Die Müllhalde von Danlí gleicht eher einem kleinen Dörfchen. Inmitten des Abfalls haben jene, die nirgends willkommen waren, eine kleine Hütte errichtet. Hier wohnen 100 Familien mit ihren Kindern und nicht alle arbeiten auf der Müllhalde, manche haben auch normalen Hilfsjobs in der Stadt mit 200’000 Einwohnern – zumindest dann, wenn nicht gerade die Corona-Krise das Land lahmlegt. Müllsammler- und andere arme Familien teilen sich das Gelände, genauso wie im nahe gelegenen Sickergebiet, wo die Abwässer der Stadt auf offenem Gelände versickert werden, um die Bäche nicht zu verunreinigen (Kläranlagen sucht man hier vergebens).

In Danlí wandert weniger Verwertbares in die Abfälle und es gibt weniger reiche Haushalte, in deren Überresten man den einen oder anderen wertvollen Gegenstand finden kann. Hier gibt es nur PET, Papier und Aludosen. Und es gibt weggeworfene Lebensmittel, mit denen die Familien ihre Schweine Füttern. Die gemästeten Tiere können sie an den Schlachthof verkaufen, das gibt am meisten Geld (wie hygienisch das ist, lassen wir mal offen).

Sie hadern nicht, sie jammern nicht

Dank der übersichtlichen Grösse gibt es kein Gedränge, als wir mit den Hilfspaketen auftauchen. Für alle Familien sind die Lebensmittel und Hygieneartikel eine grosse Erleichterung und freudestrahlend werden wir in jedem Häuschen empfangen.

Die Menschen erzählen uns von ihren Nöten und Krankheiten, während der beissende Rauch der offenen Müllfeuer in unseren Augen brennt. Die Feuer vertreiben die Fliegen und laut den Müllsammlern mache es keinen Unterschied, ob sie die Verwesungsdämpfe oder den Rauch einatmen, beides mache den Körper kaputt.

Die Corona-Krise trifft auch diese Menschen hart. Wenn während der Ausgangssperre viel weniger Abfälle „produziert“ werden, dann mag das für die Umwelt erfreulich sein, aber für die Müllhalden-Familien den Verlust ihres kleinen Einkommens, mit dem sie sonst ihre Kinder ernährten (5 bis 8 Franken kann eine Person normalerweise täglich erarbeiten).

So viel familiärer, geordneter und ruhiger die Situation auf der Müllhalde von Danlí im Vergleich zu Tegucigalpa sein mag, eines haben die Müllsammler beider Städte dennoch gemein: Sie hadern nicht mit ihrem Schicksal und sie jammern nicht. Sie glauben, dass Gott sie irgendwann von diesem Ort wegführen wird.

Was wäre, wenn…

Durch einen Freund, der uns an diesem Tag begleitete und uns die Zugangsbewilligung zur Müllhalde besorgte, erfahren wir, dass die Stadt die Müllhalde privatisieren möchte. 78’000 Franken kostet das 36 Hektare grosse Gelände, einen Vertrag mit der Müllabfuhr in der Stadt gibt’s obendrauf. Einen Moment lang wagen wir zu träumen: Was könnte man nicht alles bewirken, wenn man diese Deponie selbst betreiben könnte? Massnahmen zum Umweltschutz, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für die Müllsammler? Das wäre eine unglaublich grosse Chance, um das Leben dieser 100 Familien nachhaltig zu verändern… Für uns bleibt das zum jetzigen Zeitpunkt ein Traum, da es unsere Möglichkeiten bei Weitem übersteigt. Aber was wäre, wenn jemand, irgendwo da draussen, genau ein solches Projekt als eine spannende Herausforderung sehen würde?

Wir machen unterdessen weiter. Nächste Woche möchten wir weitere Hilfspakte dorthin bringen, denn es hat leider nicht für alle Familien gereicht. Und bestimmt werden wir auch diese Menschen in Zukunft, nach Corona, weiter betreuen – dann, wenn unsere mobile Kindertagesstätte losrollen kann.

Die Nothilfeaktion unterstützen

Wenn auch du die Corona-Nothilfeaktion von Casa Girasol mit einer Spende unterstützen möchtest, dann findest du weitere Informationen und die Angaben zu den Spendenkonten auf unserer Webseite. Du könntest auch unsere Crowdfunding-Kampagne auf CrowdCircle mit einer Spende voranbringen. Eine Ration kostet CHF/EUR 28.-, was alles im Hilfspaket enthalten ist, erfährst du in einem anderen Blogbeitrag.

Und wie immer gilt: Teile bitte unsere Beiträge in den sozialen Medien und WhatsApp, nur so können wir weitere Personen für unsere Anliegen gewinnen. Vielen Dank!


Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Römer 8:35

Categories: News Nothilfe Projekte Spendenanliegen

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casagirasolhonduras

Ich bin Alexander Blum und blogge für das Schweizer Hilfswerk Casa Girasol, dass sich in Honduras für die ärmsten Kinder in diversen Arbeitsbereichen einsetzt.

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