Leben geht auch anders: Honig-Ernte

In einer Reihe von persönlichen Erfahrungsberichten (Fischen im Dunkeln, Hasenjagd) rund um das Leben in Honduras darf auch die Honig-Ernte nicht fehlen. Ich durfte einen privaten Männerausflug erleben und möchte euch kurz von diesem Abenteuer berichten.

Nachts auf Honig-Suche

Mit einer Gruppe von Männern fuhr ich aufs Land, um Honig zu suchen und zu ernten. In der Nacht führte uns ein Ortskundiger durch den Wald, über sehr unwegsames Gelände, zu einem Bienenstock. Diese Waldbienen bauen ihren Stock unterirdisch in den Boden bzw. in den Hang.

Mit Rauch beduseln

Mit Macheten machten wir den Platz frei, um einen guten Zugang zum Bienenstock zu erhalten. „Nachts kann man den Honig problemlos ernten.“, meinte ein Mann der Gruppe und fuhr fort: „Am Tag würden die Bienen uns zu Tode stechen!“ Das waren ja beruhigende Informationen ;). Doch, ungeachtet der vielleicht etwas übertriebenen Todesgefahr, machten wir gleich ein Feuer unter dem Eingang des Bienenstocks und legten feuchtes Holz und Blätter drauf. Der Rauch sollte die Bienen beduseln und lahm machen.

Rann an den Honig!

Wir gruben uns zum Stock vor. Eine harte, lehmartige Wand hatten die Bienen rund um ihr Nest gebaut. Einmal durchbrochen kamen auch schon die Waben zum Vorschein. Einige alte, braune. Andere waren frisch, goldgelb und honigdurchtränkt. Und schliesslich waren da auch die Bienen. Tatsächlich, wie gelähmt bildeten sie einen Knäuel um die Königin, nur vereinzelte Bienen flogen herum. „Nimm ein Stück Wabe und sauge den Honig aus, dann werden dich die Bienen nicht mehr stechen!“, sagte man mir. „Hmmm? Ist das wieder so eine Art Aberglaube?“ Egal, ich machte es. Der Honig schmeckte super. Und tatsächlich, jeder bekam bei der ganzen Aktion nur 2,3 Stiche ab – und ich gar keinen!
Wir nahmen die Waben mit Honig aus dem Bienenstock. „Morgen bereits werden die Bienen das Nest reparieren.“

Parasiten im Honig

Mit Kesseln beladen machten wir uns auf den Rückweg. Im einfachen Lehmhaus angekommen begutachteten wir unsere Beute beim Kerzenlicht. Leider war es nicht allzu viel. Die Waben waren voll von Parasiten, die den viel vom Honig aufgegessen hatten. Na toll, und ich hatte den Honig samt Parasiten aus den Waben gesaugt….! Naja, lecker wars trotzdem. Und ein Abenteuer sowieso.

Der Abschiedsgruss

Schliesslich, nach einem schönen Lagerfeuer, machten wir uns auf dem Heimweg. Ich setze mich ins Auto und „Autsch!“, eine Biene hatte sich auf meinem Sitz niedergelassen und mich beim Hinsetzen gestochen. Das war so quasi ein Abschiedsgruss. Das Honigessen zur Stich-Vorbeugung hat wohl doch nichts gebracht….

Der ganze Ausflug hat unglaublich viel Spass gemacht und es war schön einen weiteren Einblick in das einfache Landleben zu erhalten. Einmal mehr hab‘ ich gesehen, dass in Honduras so manche Dinge anders funktionieren, als wie zuhause in der Heimat. Leben geht auch anders.

Alexander Blum, Casa Girasol Gesamtleiter