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Barfuss in den Abgrund (Hilfsprojekt Müllhalde)

Wir kennen das vom Barfussweg oder vom Jungscharnachmittag: Barfuss durch den Schlamm zu gehen kann für Kinder eine so witzige Erfahrung sein. Die glitschige Erde, die zwischen den Zehen hervorquillt, die kühle Nässe, all die ungewohnten Dinge, die sich erspüren lassen. Das klingt nach einem richtigen Abenteuer!

Die Füsse eines kleinen Jungens im Schlamm, barfuss

Aber was ist, wenn der Schlamm nicht einfach heilsame Erde ist, sondern vom Regen aufgeweichter Müll auf einer Deponie? Wie fühlt es sich an, wenn die Füsse nicht runde Steine erspüren, sondern scharfe Scherben und Aludosen? Und was, wenn das Kind die Schuhe nicht aus Abenteuerlust auszieht, sondern einfach keine besitzt und trotzdem auf der Müllhalde nach Verwertbarem suchen muss? Kinder, die auf der Deponie ohne Schuhe gehen, laufen barfuss in den Abgrund.

Gefahren und COVID19

Das Arbeiten auf der Müllhalde ist gefährlich. Müllwagen überfahren und töten jedes Jahr mehrere Kinder, der Abfall ist voll von spitzen und schneidenden Gegenstände, die Luft ist stickig, Krankheitserreger sind überall und die Ratten und Geier sorgen für ein Umfeld, wo definitiv keine Menschen mit blossen Händen arbeiten sollten.

Und nun kam auch noch COVID19 dazu. Geradezu lächerlich erscheint es daher, dass die Regierung als einzige Präventionsmassnahme die Reifen aller Fahrzeuge, die auf die Deponie fahren, mit Chlor desinfizieren lässt, um zu verhindern, dass das Coronavirus auf die Halde gelangt. Aber mit solchen vorgegaukelten Massnahmen können die Herren Politiker ihr Gewissen beruhigen und sich getrost zu Bett legen, während auf der Deponie die Menschen bis tief in die Nacht nach Recyclinggegenständen suchen, ohne Handschuhe, ohne Maske, ohne Zugang zu fliessendem Wasser und Seife und teilweise ohne Schuhe. Hauptsache gegen aussen sieht es so aus, als würde die Stadtverwaltung die Sache ernstnehmen – und dies ist das Einzige, was zählt. Was oben auf den Müllbergen vor sich geht, und dass da oben Kinder, Erwachsene und Senioren lebensbedrohlichen Zuständen ausgesetzt sind, interessiert ausserhalb der Umzäunung niemanden. Das Leben der Menschen auf der Halde ist voller Gefahren – nicht nur zu Zeiten von Corona – und es braucht mehr als Chlor, um die Dinge zu verändern.

Haben diese Kinder eine Chance?

Wir fragen uns: Was kann aus Kindern werden, die, anstatt in die Schule zu gehen, den ganzen Tag im Abfall wühlen? Leider muss man sagen: Die Chancen stehen wahnsinnig schlecht, dass sie jemals ein anderes Leben kennenlernen werden. Wer als Kind schon barfuss auf der Müllhalde hausen muss, der läuft unweigerlich in den Abgrund. Ohne die Hilfe von Menschen jenseits der Absperrungen, bleiben die schätzungsweise 600 Müllsammler ihrem Schicksal überlassen und die Kinder sind verloren.

Aber, WIR können etwas dagegen tun!

Die Menschen auf der Deponie sind uns nicht egal. Genauso wenig lassen sie die zahlreichen Spenderinnen und Spender kalt, die unsere kleine Missionsarbeit unterstützen.

Seit 2017 ist das Team von Casa Girasol von so oft wie möglich vor Ort und hat bereits viele tausende gesunde Mahlzeiten verteilt. In diversen Erfahrungsberichten erzählen wir von den Erlebnissen rund um das Hilfsprojekt Müllhalden-Kinder.

Besuche im Rahmen der Corona-Nothilfe

Vergangenen Freitag sind wir wieder dorthin gefahren und konnten im Rahmen unserer Corona-Nothilfe 150 Hilfspakete und 300 Atemschutzmasken verteilen. Der Spendenstand reichte nicht aus, um allen ein Paket mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln zu überreichen. Aber auch eine kleine Hilfe ist besser als keine Hilfe. Um auch die anderen Personen berücksichtigen zu können, sind wir weiterhin auf eure so wertvolle Unterstützung angewiesen. Hier geht’s zu unserer Crowdfunding-Aktion für die Corona-Nothilfe. Und wer in seinem Umfeld für einen bestimmten Zweck (wie Gummistiefel oder Schutzausrüstung) Spenden sammeln möchte, darf sich gerne bei uns melden.

Mobile Kindertagesstätte fürs Hilfsprojekt

Sobald es die Umstände erlauben, wollen wir uns als Kinderhilfswerk viel intensiver um die Kinder und Jugendlichen kümmern. Unsere mobile Kindertagesstätte soll nach der Corona-Krise losrollen. Wir möchten die Schwächsten gezielt fördern und auch mit ihren Eltern arbeiten, um die Chancen auf ein besseres Leben zu erhöhen. Auch dieses Hilfsprojekt kannst du mit einer Projektpatenschaft oder Spende unterstützen oder unser Anliegen im Gebet mittragen.

Barfuss in den Abgrund – das darf nicht sein! Jedes Kind dieser Welt sollte ein paar Schuhe und eine Schulausbildung haben können.

Categories: Müllhalde News Nothilfe Projekte Spendenanliegen

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casagirasolhonduras

Ich bin Alexander Blum und blogge für das Schweizer Hilfswerk Casa Girasol, dass sich in Honduras für die ärmsten Kinder in diversen Arbeitsbereichen einsetzt.

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