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4 Hilfslieferungen, 32 Grad Körpertemperatur und ein Politiker

Ab ins Paradies! Am vergangenen Freitag fuhr ich ins knapp zwei Stunden entfernte El Paraiso. Dort traf ich mich mit einem guten Freund, um gemeinsam Hilfslieferungen an vier Heime zu überreichen. Die abenteuerliche Fahrt, die Eindrücke aus den Heimen und die Gespräche mit dem Politiker machten diesen Tag zu einem besonderen Erlebnis.

32 Grad Köpertemperatur – weiterfahren!

Die Autofahrt nach El Paraiso war wie immer ein Abenteuer. Jetzt, in Zeiten der Ausgangssperre, gibt es überall Kontrollposten, wo man seine Fahrbewilligung vorzeigen muss. An den Kontrollposten wird man von Kopf bis Fuss mit stark chlorhaltigem Wasser eingespritzt, die Autoreifen werden desinfiziert und man muss sich einer kurzen ärztlichen Kontrolle unterziehen. So, und mit der Maskenpflicht, soll verhindert werden, dass das Coronavirus in abgelegene Orte gelangt. Highlight bei den ganzen Kontrollen war ein junger Soldat, der nach der Messung meiner Körpertemperatur sagte: „32.3 Grad, Sie dürfen weiterfahren.“ Ich nickte dankbar, drückte aufs Gaspedal und wurde mir von neuem bewusst, dass ein Soldat kein medizinisches Fachpersonal ersetzten kann. Auch wenn ich daran zweifle, dass manche dieser Massnahmen tatsächlich die Infektionsgefahr reduzieren, sehe ich ein, dass sie wahnsinnig abschreckend wirken und die Lust am Herumfahren nehmen. Wer möchte schon ständig neue Chlorflecken auf der Kleidung und Lackschäden am Auto? Und wer geht mit Symptomen aus dem Haus, wenn Festnahmen drohen?

Hilfe für vier Heime in grosser Not

An diesem Tag konnte ich im Rahmen unseres Nothilfeprogramms während der Coronakrise wichtige Grundnahrungsmittel und Hygieneprodukte an vier Heime liefern, mit einem Gesamtwert von ca. CHF 3800.-. Anders als bei den Verteilaktionen für arme Familien liefern wir den Heimen keine individuellen Hilfspakete, sondern vorher abgesprochene Produkte, um sie mit dem aktuell Notwendigsten zu versorgen. Mit der nötigen Distanz (das Virus darf auf keinen Fall in die Heime gelangen) überreichte ich die Waren und richtete ein paar ermutigende Worte an die Kinder, Jugendlichen und Senioren. Auch in stürmischen Zeiten des Lebens ist es wichtig, dass wir unseren Blick auf die Hoffnung richten, die von Jesus Christus ausgeht.

Quarantäneheim für minderjährige Migranten

Im ersten Heim befinden sich 38 Kinder und Jugendliche in Quarantäne. Sie wurden vor wenigen Tagen aus Mexico ausgeschafft, nachdem sie versucht haben, illegal in die USA zu gelangen. 60 Tage verbrachten sie in einem mexikanischen Gefängnis und nun wohnen sie in diesem provisorischen Quarantäneheim. Sobald die Gewissheit besteht, dass sie sich nicht mit dem Coronavirus infiziert haben, werden sie zu ihren Familien zurückgebracht. Einige wollten aus schwerwiegenden Gründen in die USA fliehen, andere träumten von einem besseren Leben; und das ist auch der Grund warum manche ihre zwei- oder dreijährigen Geschwister oder den geistig behinderten Bruder mitschleppten. Ihre Reise endet nun hier, in einem militärisch bewachten Heim, das notdürftig errichtet wurde und dessen Nachbarn schon zweimal versucht haben Feuer zu legen, um die Seuchengefahr aus ihrem Dorf zu vertreiben. Die Kirche, die das Heim führt, tut ihr Bestes, um die Kinder und Jugendlichen zu versorgen – aber es reicht momentan nicht und darum helfen wir mit Hilfslieferungen aus. In wenigen Wochen erhoffen wir uns, eine weitere Hilfslieferung organisieren zu können, sofern mehr Personen unser Nothilfeprogramm mit einer Spende unterstützen.

Zwei Rehabilitationsheime

Zwei weitere Lieferungen gingen an Heime in der Umgebung von Danli, wo ehemalige jugendliche Strassenkinder freiwillig ein Entzugs- und Rehabilitationsprogramm durchlaufen. 18 und 22 Insassen haben die beiden christlich geführten Heime. Auch diese Heime leiden momentan unter dem Versorgungsengpass und dem Rückgang der lokalen Spenden. Hier möchten wir vorrübergehend einspringen und durch Lieferungen ermöglichen, dass die Jugendlichen ihre wichtige Rehabilitation beenden können.

Wanbild Jesus heilt Suchterkrankungen
Dieser junge Künstler hat das Wandbild in seinem Rehabilitationsheim gemalt. Es zeigt die vier Schritte: Die Errettung von der Strasse, die Anerkennung der Mitschuld, der suchtfreie Mensch im neuen Gewand und die Wahl des Lebensweges.

Altersheim – 18 Senioren ohne Windeln

Das vierte Heim in der Region, das wir mit Sachspenden unterstützen, ist ein Altersheim für 18 bedürftige und sehr kranke Senioren. In diesem Heim, das mehr einem Sterbehospiz gleicht, war die allergrösste Vorsicht geboten, damit die Senioren würdevoll und ohne zusätzliches Leid ihren letzten Lebensweg bestreiten dürfen. Die lokale Einrichtung schafft es aus eigener Kraft, die Senioren zu ernähren und zu betreuen – aber es fehlen vor allem Windeln und Pflegeprodukte, die in der ländlichen Region nicht gekauft werden können. Darauf wird sich auch unsere nächste Hilfslieferung konzentrieren. Rund CHF 900.- werden die Windeln für die nächsten 2 Monate kosten.

Den Politiker im Schlepptau

Mein Pick-Up ist zwar gross, aber nicht gross genug, um diese grossen Mengen an Hilfsgütern zu transportierten. Deshalb bat ich einen langjährigen Freund, der in der Region El Paraiso lebt, um Unterstützung. Er ist Kongressabgeordneter, aber Politik durfte an diesem Tag selbstverständlich bei allen Aktivitäten keine Rolle spielen. Das ist auch der Grund, warum ich auf eine Namensnennung verzichte.

Dennoch nutze ich beim gemeinsamen Mittagessen die Gunst der Stunde, um über die Situation auf der regionalen Müllhalde zu sprechen. Diese ist zwar kleiner als jene in Tegucigalpa, wo wir eine Kindertagestätte planen, aber die Lebensbedingungen sind vergleichbar. Ich erklärte meinem Freund, dass eines der grössten Probleme der Menschen, die auf der Müllhalde leben und arbeiten, die viel zu tiefen Preise sind, die Recycling-Händler für die von ihnen sortieren Materialien bezahlen. Diese betragen nur einen Bruchteil des tatsächlichen Marktwertes. Würde er sich als Politiker dafür einsetzen, dass zumindest in seiner Region Recycling-Händler einen fairen Preis bezahlen müssten, könnte man auf einen Schlag die Lebensbedingungen von hunderten Menschen, die im Abfall wühlen, verbessern. Wir haben vereinbart, die lokale Mülldeponie in naher Zukunft gemeinsam zu besuchen und das Problem genauer zu analysieren. Ob das Folgen haben wird, werden wir sehen. Ich hoffe es.

Alexander Blum, Gesamtleiter

PS: Aus Respekt und zum Schutz der Heiminsassen habe ich bewusst nur ganz wenige Fotos gemacht.

Categories: News Nothilfe Projekte Spendenanliegen

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casagirasolhonduras

Ich bin Alexander Blum und blogge für das Schweizer Hilfswerk Casa Girasol, dass sich in Honduras für die ärmsten Kinder in diversen Arbeitsbereichen einsetzt.

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